Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 1 (1833))

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Gibt es noch stricti juris Obligationen.
von den Gloffatoren bis auf unsere Tage gerichtet waren,
wie unter andern besonders Anton Faber und Johann d'Avezan
auf das Kräftigste und Bestimmteste bezeugen. Was würde
auch aus den nöthigen, positiv sicheren allgemeinen Grund-
sätzen über den Gebrauch deS corpus juris werden, wenn
einzelne Rechtsgelehrte die praktische Anwendbarkeit dieses
oder jenes Rechtsinstituts blos deßhalb wegläugnen könnten,
weil es nicht mehr jene Bedeutung hat, die es ursprünglich
einnahm, oder auch nicht einmal mehr jene, welche noch im
justinianischen Rechte vorkömmt56). Mögen unsere Juristen
bei dieser Gelegenheit« an die Worte deS Dichters denken,
wenn diese Worte gleichwohl nur bezwecken, die Schattenseite
einer mit der Menschheit in der Fortentwicklung gehenden
Wissenschaft darzustellen!
ES erben sich Gesetz und Rechte
Wie eine ew'ge Krankheit fort;
Sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte,
Und rücken sacht von Ort zu Ort.
Rur das müssen wir dem Dichter entgegen halten, daß
mitten unter den Trümmern alter Institute und Rechte neues
Leben erblüht, und zu einer neuen Ordnung aufftrebt. So
werden wir bei den Systemen des gemeinen deutschen Civil-
rechts weder bei den Klagen, noch bet den Obligationen in
den Unterschied der b. k. und «tr. jur. obl. eine allgemeine
Bedeutung legen, sondern nur etwa in der geschichtlichen
Einleitung dieses Verhältniß ausführen, um in den einzelnen
Punkten, wo noch etwas davon abhängt, einfach dahin zu
verweisen. Dagegen fehlt es unserm Obligationensysteme
nicht an Grundsätzen für die richtige Klassisieirung der ein-
zelnen Obligationen, und wir beziehen uns deßhalb z. B. nur

56) Im übrigen wollen wir nicht läugnen, baß manchmal noch
unter den Neuesten ein Unterschied von Rechtsfolgen aus dem
Verhältnisse der b. f. und str. jur. negotia angenommen wurde,
der sich nicht Nachweisen läßt. Mühlenbruch doctr* Fand.
§. 192. und mit Recht dagegen v. Wening in seiner,
tzindc'S und MarezollS Zeitschrift l Bd. S. 358.

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