Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

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Gibt es noch stricti juris Obligationen re.
bestimmt. Der Richter verlangt einen sichern Grund und
einen bestimmten Gegenstand, wenn er verurthcilen soll; wo
beides nicht da ist, wird die Parthei nicht gehört. Im
Laufe der Zeit und bei andern Bedürfnissen, namentlich vor-
gerückter Bildung, erweiterten Rechtsgeschäften, zugleich auch
bei höherer Rechtswissenschaft wird entweder das alte prak-
tische System umgebildet, oder das alte bleibt stehen, und
ein neues bildet sich darneben. DaS Letztere ist immer der
Fall, wenn die Fortbildung des RechtS im Leben selbst,
d. i. im Prozeß durch Richter und Partheien geschieht, und
nicht durch eine die Dictatur ausübende Doctrin, die in
unfern Tagen als Codification vorkömmt. Namentlich geschah
es so in Rom und in England. In Rom entstand neben
dem alten jus civile ein auf bonum und aequum beruhendes
Recht, in England neben dem common law ein Recht der
Billigkeit. Um gleich auf unfern Gegenstand hinzusehen,
nämlich auf die Obligationen, so weiß man, hauptsächlich
durch Cicero, daß die Ansprüche und Prozesse in der ersteren
Richtung judicia, in der andern arbitria hießen. Das arbi-
trium war genau dasselbe, was später bonae fidei judicium
genannt wurde, wie unzweifelhaft aus Cicero's Beschreibung
selbst ") hervorgeht, und wobei wir durch die spätere Unter-
scheidung der actiones arbitrariae V0N den b. f. judiciis Nicht
irre gemacht werden dürfen. Das ganze römische RechtS-
system war der Erweiterung von Tag zu Tag besonders
dadurch geöffnet, daß sich frühzeitig die Ansicht geltend
machte, wie der magistratus, welcher das Recht sprach,
nicht in allgemeine Rechtsgrundsätze gleichsam eingeschloffen
sey, sondern unter Umständen das Recht nach dem Falle
sinden dürfe. Es gab daher nicht nur formulae in jus»
sondern auch in factum conceptae: und es gab nicht nur
ein Recht der Partheien und des Magistratus, den Anspruch
dem Rechtsgrunde und Gegenstände nach auf das Bestimmteste

2) Cicero pro Roscio Commodo cap, 4. —
c. 17- topica c. 17.

de officiis Ud. 3.

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