Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

lieber die Preßvergehen. 5S
Wenn der Gegner wirklich die Absicht hat/ durch seine Ein-
griffe zu ärgern und zu necken, so werden wir doch so klug
seyn/ lieber das aus dem verletzten Rechte selbst folgende
Mittel zu gebrauchen/ als die Sache auf das Boshafte seiner
Absicht zn werfen. Aber so viel geht aus unserer Ausführung
immerhin hervor/ daß/ wo aus dem verletzten Rechte selbst
kein Rechtsmittel im positiven Klagensyfteme vorliegt/ man
zur Jnjurienklage greifen kan»/ was besonders auf das
römische Recht paßt, weil hier daS Klagensystem biS auf
die justinianische Zeit herunter fest durch genaue Beziehung
auf das Detail der Privatrechte abgeschlossen war/ und daher
manchmal die Jnjurienklage recht passend die allein auS-
helfende war *). Da nach dem in unserer Praxis ange-
nommenen Klagensysteme/ wozu noch die Anrufung deS poli-
zeilichen Amtes kömmt/ jedem Rechte auS sich selbst sein
gerichtlicher Erfolg wird/ so ist es sehr erklärlich/ warum
bei uns die Jnjurienklage auf den ganz speciell hervortre-
tenden Ehrenverletzungsanimus gewöhnlich beschränkt wird.
Aber in der Thar dachten auch die Römer hier feiner wie
wir/ obgleich Weber in seinem Buche über Jujurien Fälle
genug aufbewahrt hat/ wo bei dem Borhandenseyn anderer
Rechtsmittel der Verletzte den Standpunkt der Injurie vor-
zog/ und wir dürfen nie vergessen/ daß jede Verletzung eines
Rechts/ sey es/ welches eS wolle/ in der bößabsichtlichen
Tendenz der Geringachtung des Berechtigten nöthigenfalls
mit einer besonder« Stachel muß verfolgt werden können.
Wenn hiernach das Gebiet der Injurien größer ist/ als
man gewöhnlich glaubt/ so wird dieser Umstand auch auf
die Preßvergehen seinen Einfluß äußern/ wie sich weiter
unten zeigen wird.

§. 2.
Die Verbreitung von Injurien durch die Schrift wurde
zu allen Zeiten als ein großes Nebel angesehen/ als eine

1) Man vergleiche nur I/. 13. §. 7., I/. 24. D. 47, 10. und andere
Stellen.

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