Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 1 (1833))

an zukünftigen Gütern. 367
Pfandgläubigerin den Vorzug vor dem FiScus gibt/ beweist
zur Genüge / daß dem letzteren damals noch kein solches Le-
galpfand zugestanden haben konnte. Titius hatte dem Fis-
cuö nur res suas omnes, der Seja dagegen schon früher
seine bona praesentia ei; futura verpfändet. BeMtheilt
man nun die Rangordnung zwischen beiden nach dem Pfand-
vertrage/ so konnte der FiseuS die später erworbenen
Güter nicht in Anspruch nehmen/ weil sie unter der Formel:
res snas omnes nicht begriffen waren (§. 12). Will man
aber auch supponiren , daß dem Fiscus schon zu Scävola'S
Zeiten ein Legalpfand an dem gesummten gegenwärtigen
und zukünftigen Vermögen seiner Contrahemen zuftand/ so
läßt sich diese Vermuthung (denn mehr ist sie auf keinen
Fall)'durch die Gegenvermuthung entkräften / daß das still-
schweigende Pfandrecht deS FiScus sich damals in Praxi
noch nicht auf unzweifelhafte Weise fixirt haben
könnt e. Denn nur unter dieser Voraussetzung wird begreif-
lich / wie der Fiscus sich ein vertragsmäßiges Pfand-
recht am Vermögen des Titius bestellen konnte/ dessen eS
ja bei einem unbestreitbaren Legalpfande nicht bedurft hätte.
Denn daß der Fiöeus sein Vorrecht nicht gekannt haben
sollte/ dürfte schwerlich zu vermuthen seyn! War nun aber
daS fiscalifche Legalpfand noch nicht ausser Zweifel/ so mußte
abermals die Rangordnung der Gläubiger durch den Pfand-
vertrag bestimmt werden/ weil der FiseuS mit Sicherheit
kein im Hintergründe liegendes Legalpfand an dem zukünf-
tigen Vermögen des Titius geltend machen konnte. Zu
Ulpian's Zeiten war dagegen durch eine kaiserliche Con-
stitution (constitutum est) aller Zweifel gehoben / ja dem
FiseuS stand damals selbst ein Vorzugsrecht zu.
Höchst wahrscheinlich ist auf allen Fall/ daß das pignus
tacitum des Fiscus/ gleich den mehrsten Vor-Iuftinia-
nisehen Legalpfändern/ auf einer Rechtsgewohnheit be-
ruhte/ und später durch eine kaiserliche Constitution ausser
allen Zweifel gesetzt wurde. Denn die L. 2. Cod. in quib.
caus. pign. (8. 15) führte dasselbe nicht sowohl eilt/ son-
dern bestätigte es nur als etwas Unzweifelhaftes (eertum
est. etc.).
Wenn endlich auch gewiß wäre/ was aber nicht zugestan-

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