Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 1 (1833))

314 Beitrag zur Geschichte des germanischen RechtS.
ihr Name het Land \an den Vryen, t’Vrye, le franc de
Bruges, Franconatus, terra franca, liberum officium,
le franc melier de Bruges, ist eine Sonderbarkeit, welche
fast alle flandrischen Geschichtsschreiber beschäftigt, und meh-
rere eigene Werke veranlaßt hat.
Der Landstrich um Brügge zwischen der See, dem Aus-
fluß der Schelde bis Nieupoort, und dem östlich bis Dixmuiden,
Routers und Thielt genoß bereits im 12. Jahrhunderte gro-
ßer Vorrechte, und bildete bald einen in sich selbst abgeschlos-
senen Staat, der in dem sogleich näher zu besprechenden
Keurbriefe vom Jahre 1190 eine Art von Landrecht, und
seit 1230 eine Menge die Freiheit seiner Bewohner be-
günstigende Privilegien erhielt. Reich durch die in seiner
Mitte sich erhebenden Handelsstädte (jetzt meistens verarmte
Dörfer) wurde der Franc im Jahre 1 437 zu einem vierten
Gliede der Staaten (d. h. der Stände) von Flandern erklärt,
als er neben den Städten von Gent, Brügge und Upern
mit ihren Gerichtsbezirken in der ständischen Vertretung des
Landes eine Virilftimme erhielt. Diese Auszeichnung gibt
ihm den anderen Theilen Flanderns gegenüber eine besondere
politische Stellung, die aber häufig mißverstanden seine Ge-
schichte verwirrt gemacht har. Mehrere Schriftsteller wollten
aus diesem rein financiellen späteren Verhältnisse die ältere
Geschichte dieses Landtheiles erklären, und geriethen auf
Abwege.
Die Regierung des Landes van den Vryen hatte in ihrem
Gerichtshause in Brügge ein reiches Archiv; die Originalien,
biö zum Jahre 1230 zurückgehend, waren wohl erhalten:
auch fanden fie sich abgeschrieben in sehr eleganten Copial-
büchern aus dem fünfzehnten Jahrhunderte. Von den letzten
find noch zwei, das rorhe und das schwarze Buch, auf dem
Provincialarchive von Westflandern in Brügge: die Original-
urkunden find aber, man weis nicht wann verschwunden^).
Ein Cartular des Franc, sonst der Bibliothek der Jesuiten
in Brügge gehörig, findet sich auf der burgundischen Bi-
bliothek in Bruxelles; es enthält Urkunden.von 1190 bis

4) Man versichert den Verfasser, sie feyen in der seeländischen
Stadt Sluyö, aufbewahrt.

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