Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 1 (1833))

die Spccialität der Pfandrechte in den neuen Gesetzgebungen. 23
Schwierigkeiten veranlaßt die bekannte l. 21. pr. v. 20, 4.,
über deren Erklärungsversuche sich ein eigenes Buch schreiben
ließe. Einige unter den Neueren sehen die Stelle als klare
Entscheidung für das Gegentheil unserer Meinung an, weil
die Seja mit ihrer sogenannten Generalbypothek dem FiSeus
mit seiner später entstandenen Generalhypothek unbedingt an
den künftig erworbenen Sachen vorgehe, und daher auch an
diesen das Pfandrecht von der Zeit der Verpfändung und
nicht von der Zeit der Erwerbung der Sache an gerechnet
werden müsse. Eine sehr alte Meinung will die Worte
,,post priorem obligationem acquisita“' auf die Güter bezie-
hen, die nach der ersten Obligation für die Seja, aber vor
der Obligation an den Fiscus erworben worden seyen 43).
Eine andere, und zwar die am meisten begünstigte Meinung
ist die, wornach die Seja im Sinne des altern römischen
Rechts allein ein Pfandrecht auf die küuftigen Güter gehabt
habe, weil nur ihr die omnia, quae habet habiturusve est
verpfändet waren, dem Fiscus dagegen nur die zur Zeit der
Verpfändung wirklich vorhandenen Güter. Allein bei dieser
Ansicht müßte noch etwas vorausgesetzt werden, worauf wir
gleich zurückkommen werden. Zuletzt wollen wir nur noch
erinnern an die Interpretationsversuche von Henneman,
Schräder, Hepp und andern aus der neuesten Zeit mit der
Bemerkung, daß einige auch geglaubt haben, die Sache sey
unter den römischen Juristen streitig gewesen, und daher
seyen Aeußerungen verschiedenen Inhalts in die Pandekten
gekommen. Was uns betrifft, so sieht man aus der Stelle,
daß ein specielles Faktum vorlag, welches in der That ge-
nauer hätte dargestellt werden sollen. So nehmen wir z. B.
an, ohne daß die Stelle die Sache selbst bestimmt genug
ausgedrückt hat, daß die Verpfändung an di: Seja und die
an den Fiseus nicht lange auseinander erfolgten, so daß die
res praesentes bei beiden Verpfändungen dieselben waren;
daher erklären sich auch die Worte „tempore prioris obli-

43) Man vergl. 1. 2. Cod. ?. 73

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer