Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

289 Ueber die neuesten Strafgesetz-Entwürfe in Baiern.
Erfolg entstand, wenn er auch nicht nothwendig daraus ent-
stehen mußte. Wenn nun im ersten Falle, wo z. B. Jemand
einen Andern verwunden oder tödten will, und der Tod ein-
tritt, die doppelte Absicht nicht doppelt bestraft wird, mit
welcher Consequenz kann man im zweiten Falle denjenigen,
welcher einen andern nur verwunden wollte, aber tödtete,
sowohl als dolosen Verwunder, wie als culposen Todtschlä-
ger strafen? Wohl sagt man, wer'Jemanden ohne Absicht
zu beschädigen r aus Fahrlässigkeit tödtet, kann doch nicht
auf gleicher Stufe mit Jenem stehen, der einen Andern ver-
wunden will und dabei ihn tödtet. Aber in der That sind
auch beide Fälle in der Rechtsfolge sehr verschieden, denn
im letzteren Falle hat der Ankläger die Wahl, ob er den
Verbrecher als dolosen Verwunder anklagen will, wo dann
der schlimme Erfolg der Handlung den Richter gewiß zur
härtesten Strafe, die er auflcgen darf, bestimmt, oder ob
er den Verbrecher als culposen Todtschläger anklagen will,
wo der böse Wille des VerwunderS an sich die Schuld zur
groben stempelt. Wer auf zweien Wegen, wenn auch alter-
native, angegriffen werden kann, ist gewiß schlimmer daran,
als wer nur von einer Seite gepackt werden darf. Davon
ist also die Rede, ob die alternative Richtung in eine cu-
mulative verwandelt werden könne. Physische und logische
Gesetze stehen hier entgegen; wer tobt ist, ist nicht blos ver-
wundet: und könnte es sich nicht treffen, daß Derjenige,
welcher wegen einer Verwundung abgestraft ist,7 später in
eine neue Strafe zu nehmen wäre, weil sich bei! der Sek-
tion des nunmehr Verstorbenen zeigt, wie jene Wunde die
Ursache des Todes wurde? Daher wünschen wirZ dringend
eine Revision der Art. 36. und 41. nach den Grundsätzen,
die wir, hier aufgestellt und näher in der Entwickelung des
Strafrechts ausgeführt haben, die dann wenigstens gegrün-
dete Zweifel über die Richtigkeit der im Entwürfe angenom-
menenWieinung erregen dürften. Die Sache ist um soKbe-
deutender, als wir das Prineip des Art. 112. Rr. 1. nicht
anerkennen können. So lange freilich dieses besteht, wird
der praktische Unterschied der Ansicht des Entwurfes von der
unftrigen nicht so gros seyn, und deßhalb allein erscheint
auch der Gedanke des Entwurfs dem praktischen Gefühle

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer