Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

Ueber die neuesten Strafgesetz-Entwürfe in Baiern. S8S
die Anwendung dieses an stch nicht verwerflichen Mittels in
dem vorliegenden Zusammenhänge des Strafensyftems pas-
send sey. Wenn die Strafe des natürlichen Todes eS mit
stch bringt , daß der auf diese Strafe Angeklagte das Ver-
fügungsrecht über das Seinige verliert, und folglich ein Te-
stament nicht mehr errichten kann, so ist die Annahme eines
bürgerlichen Todes consequent; aber wenn jenes der Fall
nicht ist, so ist der mit dem bürgerlichen Tode Bestrafte
gewissermaßen härter daran, als der mit dem natürlichen
Tode Bestrafte. Auch würden wir die Folgen des rechtskräf-
tigen Unheils wie bei den Römern auf die Zeit der litis
contestatio oder der Versetzung in den Anklagestand zurück-
beziehen, weil man sonst die Wirkung des Gesetzes in Hin-
sicht auf die Testamentifaction zu leicht vereiteln kann. Wenn
man den bürgerlichen Tod nicht annimmt, kann man der
Einfachheit des StrafsystemS wegen die Kettenstrafe ganz
aufgeben. Bei der Anordnung der DetentionsstrafenZ aller
Art ist der eine Theil der Satzungen politisch, der andere
juristisch. Jener beruht allein auf der guten Einrichtung
der Detentionsanstalten und etwa noch auf der Zustcherung
einer Belohnung für die gute Aufführung am Straforte
— Dieser aber auf den Rebenfolgen der Strafe. Ob man
dann dieselben nach der Art der Strafe oder nach der Natur
des Verbrechens oder Vergehens feftfetzen soll, kann bezwei-
felt werden. Der Entwurf nimmt beide Prineipien neben
einander an, und es ihm Nichts zur Sache, daß die Aus-
drücke Verbrechens- und Vergehensftrafe gebraucht
stnd35): wir aber würden mehr für das letztere System in
seiner Reinheit seyn. Es handelt stch nämlich bei den Ne-
benfolgen fast durchaus nur von Ehrenfolgen. Als solche
sehen wir die Bestimmungen der Art. 22. — 26.*an^).
Hier aber kömmt es durchaus mehr auf die Schändlichkeit
der Handlung, als auf die Größe der Strafe an. Nicht
immer erscheint z. B. ein politisches Verbrechen als enteh-
rend, etwa wenn stch Jemand der mit Unrecht entthronten
Familie, welcher er zur Dankbarkeit und Treue besonders
35) Man vergleiche nur die Art. 22. 23.
36) Der Art. 25. gehört auch hieher, denn er enthält eine
Art von römischer intestabilitas.
Rvßhirt, Zeitschrift. Bd. I. Heft 3. 19

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