Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

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gegen die Geisteskräfte re.

stnnung besteht/ oder ob es irgend eine Verderbniß anderer
Art des geistigen Wesens ist. Aus dieser Darstellung steht
man / daß für alle Fälle/ schlechte Lehre und schlechtes Bei-
spiel abgerechnet/ bereits eine Form existirt, unter welcher
die auf den Geist nachtheilig wirkende Handlung zum Ver-
brechen gestempelt wird. Schlechte Lehre und schlechtes
Beispiel an stch aber läßt stch nicht zum Verbrechen erheben
aus Gründen/ die wir nicht zu entwickeln brauchen. Also
fällt der ganze Tadel des bestehenden Rechts dahin / daß
einzelne Fälle Vorkommen könne»/ wo nicht der höhere Scha-
den des geistigen Lebens das Hauptmerkmal im Thatbestand
bildet / sondern diese Rücksicht höchstens nur als Schärfungs-
grund hervortritt. Diesem Tadel aber wollen wir vor der
Hand nur einige Gründe entgegenhalten, um zur Prüfung
des Gegenstandes aufzufordern/ der als einer der wichtigsten
im Criminalrechte in eigenen Schriften behandelt zu werden
verdient. Folgende Rückstchten nämlich haben uns schon auf
dem ersten Blicke für wichtig genug geschienen/ um nicht
ohne die reiflichste Prüfung vom bestehenden Rechte abzugehen.
1) Die hieher zu stellenden Verbrechen gehören sehr sel-
tenen und außerordentlichen Fällen an, die in ihrer Erschei-
nung so ganz eigenthümlich find/ daß ste für Wissenschaft
und Gesetzgebung gar keinen rechten Standpunkt der Genera-
listrung darbieten. Rehmen wir gerade den Hauser'schen
Fall, der mehr einem Romane als der Wirklichkeit entspricht/
und der den Zauber seiner Singularität nicht verlieren würde,
wenn der ganze Zusammenhang der Dinge bekannt wäre.
Kann man wohl diesen Fall Verbrechen am Seelenleben des
Menschen nennen? Wir zweifeln sehr; denn einmal dürfte
es höchst unräthlich seyn, zwei menschliche Leben zu unter-
scheiden, das wirkliche geistig-animalische, und das bloS
geistige. Solche Vorstellungen find den Begriffen und der
Sprache der Welt zuwider, und der Jurist und Gesetzgeber
soll stch vor jeder solchen Eigenrhümlichkeit der Abstraktion
bewahren, denn das Recht muß nicht den Begriffen und
Wortbedeutungen einzelner Juristen, sondern denen des Vol-

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