Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

242 II. Ueber das Recht des besseren Besitzes.
bildet, durch das reichste Detail sich über die einzelnen
Rechtsinstitute ausgesprochen hat. So ist dieses namentlich
auch der Fall in den Lehren vom Besitz und Eigenthum.
Muß man auch die erftere als verunglückt erklären wegen
ihrer ganz eigenthümlichen Begriffe und nutzlosen Vorstel-
lungen, und ist auch der Begriff von Eigenlhum so ausge-
dehnt , daß alle Vermögensrechte darunter verstanden sind;
so kann man doch nicht läugnen, daß, wenn man die Lehren
praktisch aufzufassen versteht, und die falschen theoretischen
Zierathen abstreift, Alles wieder natürlich sich ausnimmt.
Die Lehre vom besseren Besitz ist unter den Wirkungen des
Besitzes überhaupt dargestellt. Daö Landrecht unterscheidet
bekanntlich einen unvollständigen und einen vollständigen Besitz.
Der erftere ist der Besitz, den Jemand für einen anderen
hat, der zweite der Besitz, den Jemand für sich selbst hat. Der
vollständige Besitz hat
1) Rechtsmittel zur Erhaltung,
2) solche zur Restitution des verlorenen Besitzes.
In Hinsicht auf diesen zweiten Punkt vermischt nun das
Landrecht offenbar das faktische Verhältniß des Besitzes mit
dem juristischen des besseren Besitzes. Es lehrt nämlich:
s. im allgemeinen müsse derjenige, welcher einen Besitz
gewaltsam, heimlich oder bittweise an sich gebracht hat, den-
selben auf Antrag des Betheiligten alSbald restituiren, I. 7.
§§. 146. 147.;
d. außerdem aber müsse nur der schlechtere Besitzer dem
besseren weichen. Wer besserer Besitzer sey, erklärt daS
Landrecht so:
a) wer eine Sache von einem andern im Gewahrsam
hat, ist besser als der, welcher ohne allen Rechlsgrund die
Sache hat, z. B. die Sache gefunden hat. §. 162.
ß) Der unvollständige Besitzer ist gegen den vollständigen
Besitzer, d. i. gegen den, auf dessen Namen er besitzt, der
bessere, wenn der letztere das Recht kränkt, welches er selbst
dem ersteren an der Sache verliehen hat. $§. 169. 17o. (ein

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