Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

230 Heber Testamcntexecutoren.
der die Ansicht/ daß Testamentsexecutoren für die Arbim-
rung und Vollziehung des ganzen Nachlasses im Geiste des
kanonischen Rechts bestellt werden können , sowie daß Testa-
mentsexeeutoren für einzelne Geschäfte im Sinne der römi-
schen Ministri angeordnet werden dürfen. Nur darf in der
ersteren Hinsicht nicht das Verhältniß der, nach allgemeinen
prozessualischen Grundsätzen entscheidenden Schiedsrichter
(srbiter compromisssrius), sondern das ganz davon ver-
schiedene des freien arbitrator, in dessen billiger Willkühr,
wie so oft im römischen Vertragsrechte Alles ruht, verstan-
den werden. Nehme man die Testamentsexecutoren mehr
nach dem kanonischen Standpunkte der arbitratores oder mehr
nach dem von den Romanisten oft gesuchten der fiduciarii,
so erscheinen sie doch immer heredi« loco, und daher sollte
man wohl auch als Regel aufstellen , daß sie erbfähig senn
müssen, wobei man natürlich die in Gesetzen oder im Ge-
wohnheitsrechte getroffenen Ausnahmen anzuerkennen hat.
So hat man z. B. im allgemeinen angenommen, daß auch
Mönche Universalexecutoren feyn können, nur die Franzis-
kaner und andere Bettelmönche, die kein Geld tragen sollen,
wollte man deshalb davon ausschließen 3I). Ebenso sollte man
bei denjenigen TeftamentSexecutoren, die als heredi« loco
stehend angesehen werden, nicht zugeben, daß sie als Testa-
mentszeugen erscheinen, denn wenn auch v. Löhr nachgewie-
sen hat', daß die pro herede geltenden fideicommissarii Zeu-
gen seyn können, so sind die Universalexeeutoren, wenn auch
vielleicht persönlich weniger interessirt, doch mehr nach dem
Standpunkte des fiduciarii hier zu beurtheilen. Solche Uni-
versalexeeutoren kommen übrigens gewiß sehr selten bei uns
vor, weil sie nur bei den Geistlichen in Uebung gewesen zu
seyn scheinen, und weil die gemeinrechtliche Gültigkeit einer
solchen 'Anordnung als letztwillige Verfügung bis in die
neueste Zeit, wenigstens insofern sie als ein Stellen in arbi-
trium alterius hervortrat, sehr bezweifelt und bestritten wor-

31) Lauterbadi in diss, aead. tom. II. pag. 1593

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer