Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

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lieber Testaments executoren.
§. 8.
Zuletzt wollen wir nur noch einen Blick auf die Grund-
sätze werfe»/ die als gemeinrechtlich in dieser Lehre für
Deutschland ausgegeben werden.
l.
Hinsichtlich der Bestellung.
Gewöhnlich lehrt man/ es gebe hiernach 4 Arten von
Testamentöer'eeutoren conventionales , testamentarios, legiti-
mos und dativos 29). Zum Theit hat diese Lehre einen
sicheren historischen Grund/ zum Theil ist sie willkührliche
Nachbildung zur Lehre von der Tutel. In der ersten Hin-
sicht ist es gewiß, daß die Gewere zur treuen Hand den
Standpunkt eines zweiseitigen Geschäfts hat/ und daß daher
das deutsche Gewohnheitsrecht die vertragsmäßige Ernennung
des Testamentsexecutors kennt. Auch ist nicht zu zweifeln /
daß man in einem Testamente von der Glosse her die Be-
stellung eines Testamentsexecutors zugelassen hat/ jedoch muß
im Testament über die Erbeinsetzung selbst entweder unmit-
telbar oder durch Aufstellung eines bestimmten arbitrator im
Geiste des kanonischen Rechts Vorsorge getroffen seyn. Auch
ist nicht zu läugnen / daß die Bischöfe sind deren oeeonomi
als gesetzliche Speeialvollzieher der Anordnungen zu ge-
wissen frommen Zwecken nach dem Rechte des Codex und der
Novellen anzuerkennen sind. Aber die Execotores dativi sind
eine bloße Nachbildung des toteia dativa 30)/ und sie entbeh-
ren daher eiües sichern historischen Fundaments. Unsicher
scheint uns in gleicher Rücksicht die Behauptung/ daß jeder
Testamentsexecutor werden könne/ welcher die Fähigkeit
hätte/ die Tutel zu übernehmen/ sowie/ daß die Testaments-
Ereeution ebenso ein munus publicum fey. Richtiger ist wie-

29) Vorzüglich Lauterliaeh in seiner dissert., auf welche sich alle
Neueren berufen. UebrigenS vergl. man das Lehrbuch von
Thibaut §. 845. u. v. Mennig §. 471.
30) Nur da hat man aus andern Grundsätzen eittett dativus ange-
nommen / wo eine Vertheilung nöthig / und kein legitimus
da ist/ oder der legitimus nicht will.

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