Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

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sondern andere Rechtsfolgen erzeugen? rc.
liche Bedeutung habe, aber jedenfalls müssen wir behaupten,
daß die römischen Grundsätze über Testaments- und Jnte-
stat-Erbrecht dadurch nicht abgeändert worden sind, d. h.,
daß sowohl das Testaments- als daS Inteftaterbrecht durch-
aus blos nach römischen Grundsätzen begründet und aufge-
hoben wird °). Es kann also durch den Verzicht vor der
Delation ein Testament nicht aufgehoben, und eben so wenig
ein Inteftaterbrecht durch Verzicht vor der Delation vernich-
tet werden, weil sonst das ganze System des römischen
Erbrechts durch diese unsichere und positiv nicht gehörig be-
gründete Einwirkung deutscher Gewohnheiten über den Hau-
fen geworfen wäre. Bei dieser unserer Ansicht kann auch
nicht zweifelhaft seyn, daß der Verzicht eines Pflichttheil-
berechtigten nach dem ausdrücklichen Verbote Iuftinians 6 7)
noch immer unwirksam ist, und daß es daher besonderer
Argumente aus der Natur des PfiichttbeilrechtS und über
den Grund jenes Verbots gar nicht bedarf 8), 2) der Ver-
zicht nach der Delation geschieht entweder als Ausschlagung
der Erbschaft, und hat dann seine bekannten Folgen, oder
gar erst nach geschehener Antretung und hier ist eine Resti-
tution gegen die Erbantretung nöthig. Nach dieser kurzen
Ausführung ist auch im Erbrechte kein Grund gegeben, den
paradoxen Unterschied in obligatorische und nicht obligato-
rische Verträge zu machen.
Um begreiflich zu finden, daß nicht der Inhalt deS
Rechts den Unterschied zwischen Obligationen und anderen
Privatrechten begründe, sondern etwas ganz anderes, mag man
folgendes Verhältniß vor Augen nehmen. Wenn jemand eine
Weg- oder Wassergerechtigkeit einräumen will, so kann er

6) DaS deutsche Erbvertragsrecht ist ein in seiner singulären
Richtung neben dem römischen Rechte bestehendes, nicht
aber auf das Testaments- und Jntestat - Erbrecht in fei-
nen innern Grundsätzen abändernden Einfluß ausübendes
Institut.
7) L. 35. §, 1. Cod de inoff. tost.
s) Wieder anderer Meinung Franke. S. 319.

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