Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

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Giebt es Vetrrage, welche nicht Obligationen,
II. Es kommen Verträge im Familienrechte vor/ z. B.
der Ehevertrag, der Adoptionsvertrag. Der erste wird per-
fect durch den bloßen Consensus/ wenn die Römer/ die zu-
nächst nach ihren Actionen clafsificirten / ihn
auch nicht zu den Consensual-Contracten gestellt haben; aber
wer will behaupte« / daß der Ehevertrag zu den nicht obli-
gatorischen Verträgen gehöre/ weil die Römer wegen der
persönlichen Verhältnisse der Eheleute keine actio gegeben
haben/ da sse es vorzogen/ solche Differenzen durch die
erleichterte Aufiösung des Vertrages zu beseitigen? das Adop-
tionsgeschäft hat seine eigene Form und begründet die vä-
terliche Gewalt/ aber entstehen nicht mittelbar dadurch Obli-
gationen? daß die Römer zur Geltendmachung persönlicher
Verhältnisse zwischen adoptans und adoptatus keine Klage
zuließen / hat seine bekannten Gründe/ aber die Auseinan-
dersetzung nicht beizulcgender Differenzen ist durch das Mit-
tel der Emancipation bewirkt. Auch im Familienrechte ist
also kein Grund vorhanden/ zwischen obligatorischen und
nicht obligatorischen Verträgen zu unterscheiden.
III. In der neuesten Zeit hat Hasse/ von dem der
ganze Unterschied ausgegangen zu seyn scheint/ und ihm blos
nachschreibend Franke 4) behauptet / auch im Erbrechte
habe der Vertrag wenn er vorkomme/ eine ganz andere Be-
deutung wie sonst/ d. h. es entstehe hier durchaus keine Ob-
ligatio / oder der Erbvertrag enthalte keinen obligatorischen /
sondern (einen Erbrechtftoff. Franke thut sich dabei ganz be-
sonders viel auf seine Begriffe zu gut/ und bemitleidet
den Verfasser dieser Abhandlung/ daß er so etwas nicht
begreifen könne. Doch Geduld! Wie stehen die Ansichten
im römischen Rechte?
a- Zur Begründung des Erbrechtes hielten die Römer
bekanntlich den Vertrag für unzuläßig/ und so ist in die-
ser Beziehung aus dem römischen Rechte für unfern Streit-
punkt Nichts zu gewinnen. Hätten aber die Römer neben

-4) Notherbenrecht Seite 217.

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