Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

208 Bemerkungen über die Principien des Criminalprozesseö.
langen könne/ zu stellen. Durch diese Theilung werde eine
Controlle eingeführt, die für die juristische Wahrheit und
für die Rechts-Sicherheit des Einzelnen höchst wichtig sey.
Man denkt dabei etwa an das judicium privatum ordinarium
bei den Römern, wo nach gegenseitiger Verhandlung der
Partheien der Prätor dasjus vorausfest setzte, wenn gewisse
faktische Beziehungen in der weiteren Untersuchung durch
judices sich Herausstellen würden. Diese Ordnung der Dinge
verdankt unbezwcifelt dem Umstande ihre Existenz, daß das
punctum juris durch den Prätor und seine Assessoren viel-
fach erst zu finden, und jedenfalls das alte Recht dem Zu-
stande der Fortentwickelung zu aeeomodiren war, während
dieser Theil der Rechtpflege von unfern Gesetz-Commissionen
und Gelehrten ausgeht. Im Criminalrechte kam auch bei
den Römern niemals diese Trennung vor. Sie ist, wenn
man einmal davon ausgeht, daß Rechtsverständige in dem
einen und andern Punete entscheiden sollen, nicht nur un-
nütz, sondern offenbar schädlich. Das Vertrauen und die
Controlle wird, wenn 5 Richter des Rechts und 5 Richter
der That find, nicht besser erreicht, als wenn io in einem
Collegio vereinigten Richter über das Ganze sprechen. Die
Trennung hat auch nur die rechte Bedeutung, wenn die be-
dingte Entscheidung des Rechtspunkteö vorausgeht, weil
darin die Einheit des Urtheils liegt, indem nun der andere
Richter feine Instruction erhalten und nichts zu thun hat,
als das Haupturtheil zu purificiren. Jus und factum lassen
sich nicht als zwei voneinander unabhängige Dinge aufstellen,
sondern daS eine dient dem andern, und um das Jus leben-
dig zu machen, muß ein factum da seyn, sowie in jedem
facto von selbst das criterium juris liegt. Wenn wir bei
der Beurtheilung eines Criminalsalles Unterscheidungen ma-
chen wollen, so find es die 3 Punkte, a) ist eine bestimmte
Handlung oder Wirkung eingetreten? d) wer ist der Thä-
ter, und c. wie steht eS mit der Zurechnung? Thatbeftand,
imputatio facti et juris heißen in der Kunstsprache die drei
Punkte. Aber nicht diese sollen nach der von uns bekämpften

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