Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

206 Bemerkungen über die Principicn des Criminalprozeffcs.
mechanische oder eine Meinungsgewalt über uns triumphire,
ist am Ende gleichviel. Zu diesem Allem kömmt/ daß man
bei einiger vernünftiger und praktischer Erwägung der
Sache doch auch den Geschwornen wieder Beweisregeln
geben will/ und daher eine partielle juristische Bildung dann
bei ihnen voraussetzen muß, die übler ist, wie die Bildung
Der sogenannten Landchirurgen, im Vergleiche zur echten
wissenschaftlichen Arzneikunde/ und endlich/ wo bleibt bei
diesem Allem der wahre Sieg der Rechtswahrheit in der
zermalmenden Logik/ mit welcher die einzelnen Gründe des
Beweises zu einem Ganzen in der Rechtfertigung des Ur-
theilS durch Entscheidungsgründe verbunden/ und zugleich
der Angeschuldigte in den Stand gesetzt wird, seiner Un-
schuld die letzte und höchste Kraft, durch den Angriff dieses
logischen Kunstwerkes bei einem höheren Richter zu weihen!
Auch gerade das non liquet, welches die rechtsverständigen
Richter-Collegien so oft aussprechcn / und welches bei der
Jury wegfallen soll, ist das Asyl des nach Wahrheit stre-
benden GewissenS/ vielleicht ein- und das andermal der
Polster der Trägheit; aber es ist besser menschlichen Fehlern
und dem Bekenntnisse der Schwäche nachzusehen/ als des Men-
schen höchste Güter zum Theile in deö Schicksals Macht zu
legen. Die Jury ist in juristischer Hinsicht nichts
anders/ als ein Ueberbleibsel altmodischer Gebräuche/ und
ist in innigem Zusammenhänge mit dem altgermanischen Be-
weiöverfahren/ dessen Princip Fatalismus war. Aber war-
um verlangt man bei dieser so überzeugenden juristischen
Mangelhaftigkeit der Jury/ und bei dem einzig natürlichen
Gange der Rechtswissenschaft/ die Bcweistheorie durch juri-
stischen Verstand und Erfahrungen immer mehr auszubilden,
so heftig auch in Deutschland/ wo man die Jury nie ge-
kannt hat/ nach derselben: in einer Zeit/ wo man dem
römischen Rechte/ dem Triumphe juristischer Cultur sogar ,
ü^tstd ist, weil es etwas Fremdes sey? die Sache ist ein-
fach. Der Gedanke der Anthrilnahme des Volks oder viel-
mehr einzelner Repräsentanten desselben an der Verwaltung

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