Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 1 (1833))

Bemerkungen über die Principien des Crimmalprozeffes. 203
ohne Unterscheidung der judices facti et juris nur aus
sachverständigen Männern bestehen. Wir haben uns hier kurz
auf zweierlei Dinge einzulassen:
a) auf die Jury,
b) auf die Trennung in Richter der That und in Richter
des Rechts. .
ad. a. Die Jury ist nicht unbedingt zu verwerfen; aber
sie muß/ wo sie besteht / der Leitung erfahrner Rechtsgelehr-
ten untergeordnet seyn/ wie dies in England der Fall ist 70),
und sie ist nützlicher als Anklagejury/ wie alS Urrheilsjury,
denn dort > wo eS sich hauptsächlich um daS Factische eines
noch nicht vollständigen Beweises (Präsumtion) handelt /
(<piod prudentissimos fallit) sind die Jurys ihrer Geschichte
und Bedeutung nach am meisten an ihrem Platze: die Frei-
sprechung des Angeklagten ist hier am meisten werth/ und
die Versetzung in den Anklagestand erträglich.
Der Jury als UrtheilSjury steht im allgemeinen Folgen-
des entgegen: i) Sie kann bei einem iw besserer Cultur be-
findlichen Volke/ bei welchem natürlich seine Beurtheiler im
Höhepunkte der Wissenschaft stehen müssen/ ohne
Hilfe rechtsgelehrter Richter nicht bestehen. Der Franzose
Mezard, welcher die Jury am strengsten beurtheilt hat,
was mit seinen politischen Ideen Zusammenhängen mag t ist
doch darin bei seinen Gegnern anerkannt/ daß er durch
seine reichen Erfahrungen die Unbeholfenheit und die Unge-
rechtigkeiten der Jurys unwiderleglich entwickelt hat 71).
Die Unbeholfenheit zeigt sich, wo man nicht Einstimmigkeit
der Geschwornen verlangt/ schon in Frankreich in dem
fatalen 7 gegen 5. Sie zeigt sich darin/ daß der Unter-
richt des Präsidenten wie jeder Unterricht seinen Einfiuß

es fey dort Aecufationsprozeß und e§ fty überhaupt dort ein
guter Criminalprozeß/ weil er mit Oeffentlichkeit und Münd-
lichkeit ausgeht.
70) Philipps des pouvoirs et des ohligations des jurys. pag. 137.
71) C’est avoir une etrangc idee de la justice, que de croire,
qu’elle peut etre confide ä töut le monde.
Roßhirt, Zeitschrift. Vd. I. Heft 2.

14

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer