Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

200 Bemerkungen über die Principien des Criminalprozeffes.
fortbewege, bis es möglich ist, in einer zusammenhängenden
Reconstruction aller prozessualischen Thatsachen den Urtheilern
und dem Publicum den gehörigen Eindruck zu verschaffen.
Insoweit werden uns auch die herrlichen Früchte großartiger
Arbeiten deutscher Gelehrten für den Criminalprozeß nie
verloren gehen.
II. Das Untersuchungsgericht aber dürfte auf eine doppelte
Weise besser bestellt werden-
a. durch Aufstellung eines gelehrt-gebildeten und durchaus
erfahrenen Gerichtsschreibers / der unabhängig von dem In-
quirenten die Verhandlung für sich aufzufassen und die ganze
Untersuchung gehörig darzustellen versteht; denn auch die
Schriftlichkeit kann nicht aufgegeben, sondern muß in ihrer
bisherigen Ausdehnung erhalten werden;
b. durch gehörige Bestimmung der Theilnahme des Staats-
anwaltes 67) an der Untersuchung, so, daß weder der Unter-
suchungsrichter, noch der Staatsanwalt der Diener des andern
ist^). Die Direction der Untersuchung muß nach unsrer
Ansicht vom Untersuchungsrichter auögehen, und der Staats-
anwalt kann nur mit Anträgen bei ihm auftreten, auch seiner-
seits keine Vorerkundigung mit amtlicher Gewaltausübung
über den Angeklagten vornehmen, sondern nur verlangen, daß
alle Polizeibehörden ihm in der Aufdeckung der Spuren von
Verbrechen und Verbrechern unterstützen. In der Veranlas-
sung einer Untersuchung ist er an eben die Regeln und
Grundsätze gebunden, die der Untersuchungsrichter selbst zu
beachten hat, und es ist zweckmäßig, daß sich beide benehmen,
ehe der Prozeß auf irgend eine Weise eröffnet wird, denn
sie sind und bleiben alle beide zu demselben Zweck, nur mit
veränderten Richtungen thätig. Der Staatsanwalt kann im
Ganzen keinen andern Standtpunkt haben als der xromenens
67) Die Procuratores fiscales sind im Mittelalter überall bekannte
Beamte. Clanis §. fin. qu. 6 — 20.
68) In Frankreich ist der Untersuchungsrichter Gehilfe und Werk-
zeug des Proeurators. v. Feuerbach über Oeffcntlichkeit u.
Mündlichkeit H. Bd- S. 341.

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