Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

194 Bemerkungen über die Principicn des Crimmalprozesses.
-es Urtheils von -en gelehrten Richtern in fast allen Fällen
mehr eine Formalität als eine Realität.
B. In Hinsicht auf das Princip des Verfahrens ist in der
Bbgs. und in der Carolina der wahre Accusationsweg die
Regel, doch sind die prozessualischen Stadien nicht mit solcher
Bestimmtheit durchgeführt, wie in den Reichsgesetzen, die
über den Civilprozeß handeln. Namentlich ist Nichts gesagt
über die erste Antwort auf die Anklage, und wie überhaupt
die Verthcidigung einzurichten war; besser ist indeß auch
hierin die Bbgsis, weil sie z. B. den Angeklagten gestattet,
gleich eine Vertheidigung bei dem Landgerichte einzureichen,
was in der Carolina Wegfällen mußte, weil man nicht überall
kaiserliche und durch die Auctorität der Territorialherren ge-
stützte Landgerichte hatte. Dabei sieht man schon aus der
Bbgs., daß das Annehmcn von AmtSwegen, und das
Aufsuchen der Indicien durch den Richter die häufigere Pro-
zedur war. Auch sind die Bbgs. und die Carolina hinsicht-
lich der Consequenz und der Detailbestimmthcit ihrer Beweis-
theorie wirklich zu bewundern, obgleich wir im Resultate
durchaus nicht einverstanden sind: denn die ängstliche Rücksicht
auf daS Geständniß und die darnach verlangte Erpressung
desselben empören das Gefühl. Man muß indeß gestehen,
daß, wenn man die Tortur aufhebt, das ganze Beweissystem
der Carolina zerstört ist, und daß man daher eine neue Cri-
minalordnung schon deßhalb nicht entbehren kann, weil man
eine neue Bcwcislehre aufstellen muß. Da, wo keine neue
Landesgesetzgebung besteht, und die Tortur dennoch aufgeho-
ben ist, bleibt NichtS übrig, als auf die Beweislehre des
römischen RechtS zu recurriren. Was endlich die Abtheilung
des Verfahrens in das Vorverfahren und in das Endverfahren,
und deS ersteren in das Anschuldigungs- und in das Beweis-
verfahren betrifft, so liegen derselben einestheils die Rück-
sichten einer gründlichen Untersuchung und einer energischen
Verfolgung des Verbrechens und anderntheils die Erhaltung
der bloßen Form des älteren RechtSverfahrens zu Grunde,
und es ist daher sehr erklärlich, daß als die bloße Form im

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