Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

Bemerkungen über die Principien des Criminalprozeffes. 187
auf schlechten Grundsätzen ruht, und daß die Praxis wohl
schlecht gewesen seyn mag, keineswegs die Theorie; wobei
wir jedoch die Fortschritte unserer Zeit erkennen und achten,
— unser Zweck ist daher zu zeigen, wie Einzelnes aus diesem
Prozesse, welches auch das canonische Recht ausgenommen
hatte, in die Carolina übergegangen ist, und sich hier mit
deutschen Gewohnheiten verbunden hat. DaS römische Element
ist wichtiger, als man gewöhnlich glaubt; indeß war es
natürlich, daß die Hauptgrundlage des römischen Prozesses
— accusatio — trotz der Reception in die Carolina nicht be-
stehen konnte, weil sie schon längst vor der Carolina aufge-
geben war, und so ist es auch nicht schwer, die vollständige
Ausbildung des Inguisitionsprozesses zu erklären, wie wir ihn
jetzt in Deutschland haben. Und Alles dieses wird unö am
Ende auf gewisse Grundsätze führen, die wir als Grundlagen
einer neueren Legislation vertheidigen.
§. 6.
Darin sind die zwei neuesten Schriften über die Entwicke-
lung des Criminalprozeffes in Deutschland von Maurer49)
und Biener 50) einig, daß die Ausbildung des Inquisitions-
principes dem Decretalenrechte angehört, denn im vecreto
war, wie auch hie und da von uns nachgewiesen ist, durch-
aus justinianisches Recht. DaS Deeretalenrecht selbst aber
hat selten den Zweck, neue Institute zu gründen, als bereits
in der germanischen Welt bekannte Einrichtungen für seinen
Zweck zu benützen. So waren die Rügegerichre in Deutsch-
land ein Vorbild für die Jnquisitionsgerichte zur Erhaltung
der disciplina ecclesiae* *)» Ueberhaupt war, als eine ver-
nünftige Beweislehre in den Gerichten Wurzeln faßte, und
alS gegen den Verbrecher Strafen im öffentlichen Interesse
verhängt werden sollten, bei der damaligen sowohl allge-
meinen als politischen Bildung, das Auftreten eines Privat-
anklägers fast unmöglich, und somit die Anklage von Amtswegen,
49> S. 312» ff.
60) Im dritten Capitel seines Buches.
*) Biener S. 134 ff.
RvKhirt/ Zeitschrift. Bt>. l. Heft 2.

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