Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

Welche Wirkung hat die Verjährung der Klagen? 163
Was mm aber die PandectenjuriSprudenz und die Argu-
mente unserer Gegner daraus betrifft/ so stellt die Sache
l.
von Löhr
auf zwei Punkte/ a) daß nach allgemeinen Grundsätzen jede
obligatio nulla sey / welcher eine exceptio perpetua im Wege
stehe; b) daß der Zweck der Verjährung eine gänzliche Er-
stickung deö Rechts erfordere. Allein
ad a) unsere Ausführung in der ersten Abhandlung dieses
Heftes hat zur Genüge bewiesen/ wie die Römer überall
hinsichtlich der Wirkung einer exceptio perpetua ihre Eigen-
thümlichkeiten und Restrictionen hatten/ und daß wir daher
zugeben/ wie in vielen Fällen durch die exceptio das ganze
Recht vernichtet wurde/ daß dagegen in andern Fällen dieses
der Fall nicht war. v. Löhr erkennt dieses auch in Bezie-
hung auf das 80. Naceüomanum an/ glaubt jedoch/ daß
unser Fall zu dem Principe deS 80. keine Analogie darbiete/
denn die Klagenverjährung sey nicht in oüium deS Gläubi-
gers/ sondern in kaxorem des Beklagten eingeführt. Wer
wird dieses beweisen? An beides haben die Kaiser gedacht/
den Beklagten zu begünstigen/ den Gläubiger nicht zu schonen/
weil er es als negiigens und deses nicht verdiene/ und auch
wohl noch an ein dritteS/ alre Prozesse wegen des Odiosen/
welches jeder alte Streit mit sich führt/ zu ersticken. Das
Argument aus der regelmäßigen Wirkung der Exceptionen ist
um so unsicherer/ als von dem juristischen Gedankengange
einer Zeit die Rede ist/ wo man nicht mehr so fest an dem
Verhältnisse der Exceptionen zu den Aktionen und Rechte»/
so wenig in den Formen des Prozesses/ als in den materiellen
Rechtsfolgen hielt. Was aber
ad I)) das Argument vom Zwecke der Klagenverjährung
betrifft/ so ist die Sache nicht sehr viel anders/ wie bei der
bekannten Frage über den Zweck und Rechtsgrund der Strafe.
Die Gelehrten streiten sich darüber/ aber die Sache ist
da/ und ihre Rothwendigkeit wird so ziemlich eingesehen.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer