Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

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Bon den Ansichten unserer Zeit
Gericht/ und oft fehlt es an der Publicität der Ansichten
des höchsten Gerichts, ja oft ist das höchste Gericht durch
feine mehreren Senate gleichsam in mehrere Gerichte getheilt.
Was zuletzt den sonderbaren Zustand des badischen Privat-
rechts betrifft, so dürfte wohl zu behaupten seyn, daß wenn
nach dem jetzigen Stande der Dinge, wo weder die gericht-
lichen, noch außergerichtlichen Institute des französischen
RechtS neben dem Landrechte sich bewegen, die Entwicklung
ein halbes Jahrhundert fortdauert, ein ziemlich anderes Recht
in Baden walten wird, als in Paris. Abgesehen nämlich
von den vielen Modifikationen und Zusätzen, die gleich an-
fangs gemacht wurden, und wodurch das Landrecht drei
Hauptquellen hat, während der Code nur ^et.cn zählt,
nämlich neben dem römischen Recht und dem französischen
Ordonsnees- und Coutume«-Recht noch vielerlei aus dem
deutschen Privatrecht; sind die Formen der Anwendung und
die Methode der Behandlung nicht von der Art, um diesem
Rechte dieselbe Fortentwicklung zu geben, wie in Frankreich.
Die badischen Gerichte können weder aus dem Standpunkte
der historisch-kritischen Bestrebungen über die Quellen des
Code, noch aus dem französischen Standpunkte der gewandten
Interpretation in den einzelnen zahlreichen und interessanten
Rechtöfällen, welche Interpretation alle Welt anerkennen
muß, auf einen Höhepunkt kommen, zumal die LoSreißung
vom übrigen Deutschland die Beiwirkung seiner Gelehrten
fast unmöglich macht, indem diese nicht einmal vom fran-
zösischen Rechte in seiner großartigen Entwicklung in Frank-
reich, noch weniger daher aus dem partikularrechtlichen
Standpunkte Badens gehörig angezogen werden. Auch läßt
sich nicht vermeiden, daß die wissenschaftlichen Arbeiten
badischer Gelehrten mehr den deutschen Geist der Behandlung
des EivilrechtS sogar im materiellen Analogieen und im
Rückblick auf das frühere deutsche Recht und dessen Literatur,
aus welcher doch gewiß daS französische Recht nicht auSzu-
legen ist, an sich tragen. Was soll aber, was wird geschehen
Entweder kommen wir auch in den andern Institutionen,

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