Full text: Volume (Bd. 1 (1833))

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über die wichtige Frage der Codifikation.

.3) weil die Schule der englischen Praktiker an der Hand
ihres Gewohnheitsrechts consequent fest und bestimmt einen
höchst respektabel« Weg geht/ ebenso die Schule der fran-
zösischen Praktiker ihr geschriebenes Recht auf das kernhaftestc
und taktfesteste zu handhaben weiß: dagegen die deutsche Praxis
von einer selbst nicht in der Praxis stehenden Theorie vielfach
abhängig / und der Stand der Juristen auf eine unerfreuliche
Weise in Theoretiker und Praktiker auseinander gerissen ist,
so daß hauptsächlich bei dem einen Theile das Streben nach
geschriebenen und festpunktirten Gesetzen entsteht, die aber
ohne englischen und französischen Takt ein todter Körper
bleiben würden, während der andere Theil mühevoll die
Hallen des Gewohnheitsrechts durchwandert, und seine Zu-
sammenstellungen macht, die aber von solchen, für die sie
gemacht sind, gering oder gar nicht geachtet werden; denn
nie war — man kann eS aussprechen, die deutsche juristische
Literatur von den Praktikern im Ganzen so wenig in Ehren
gehalten, wie jetzt!
Bei dieser Lage der Dinge ist noch das Traurigste, daß
wir unser schönes Vaterland wieder in zwei verschiedene
Richtungen auseinander fallen sehen müssen, nämlich in die
Richtungen derjenigen Staaten, welche politisch und juristisch
so stehen, daß sie vor der Hand der weiteren Entwicklung
der Dinge zusehen wollen und können, wohin sowohl einige
mit neuen codice« gehören, wie Oesterreich und Preußen,
als einige ohne solche codice« durch Beibehaltung oder Rück-
führung der Dinge auf den Zustand des gemeinen und par-
ttkularen deutschen Rechts, wie Hannover, Sachsen u. s. w.,
und in die Richtung derjenigen Staaten, in welchen eine
wirklich neue Zeit bereits werkthätig geworden ist, die dann
um so gebieterischer ihre Rechte fordert, als man ihren
Herolden gegenüber nicht, so wie in andern großen Staaten,
von einer Rationalität sprechen kann. Wie sich daher die
Sachen hier wenden, darüber läßt sich nichts Vorhersagen,
und es wäre somit aus einem höheren Standpunkte eine
ganz vergebliche Mühe, Einzelnes in den GesetzgebungS-

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