Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

88 Die Quellen des sogen. Familienrechts in Deutschland.
stitution geschehe durch einen Vertrag, auch wenn dieser wirk-
lich nicht abgeschlossen war, so konnte man im Geiste des deut-
schen Gewohnheitsrechts gewiß annehmen, die Dotirung der
Tochter durch den Vater geschehe durch einen stillschweigenden
Vertrag der Anticipation, zumal die Eltern auf eine andre
Weise, durch Schenkungen und Aussteuer hinreichend erklären,
was eine freie Gabe von ihrer Seite, und was eine Conferend-
gabe sein soll, d. h. was der Tochter eigen sein soll und was
sie lediglich aus der väterlichen Erbschaft haben soll.
5) Dieses Alles liegt auch schon durch die Annotirungen
vor, die der Vater macht: oder dem Schwiegersöhne gibt, und
wodurch sich das ganze Verhältniß regelt.
Kann man also auf diese Art darthun, daß dasjenige, was
der Vater gibt, nur eine anticipirte Erbschaft, folglich eine «los
adventitia ist, so fällt von selbst seder Scrupcl weg, welchen
man durch die Interpretation des römischen Rechts von den
Glossatoren an bis auf Franke gehabt hat. In Deutschland
ist jede «los nur eine adventitia.

§. 9.
E. Ueber die Restitutio« der dos.
Waren über die Rückgabe der dos besondre Stipulationen
oder esutione« errichtet, so war Alles durch die actio ex
stipulatu geordnet: war dieses aber nicht der Fall, so kam es
qarauf an
a) ob der Mann die Frau überlebt, dann behält Jener
die dos,
b) ob die Frau den Mann überlebtS4), oder
c) ob die Scheidung eintritt. In diesen beiden letzten
Fällen hat die Frau die actio de dote. Nur konnte der
Mann verschiedene Retentionen machen, deduciren und compen-
siren. Worauf sich die actio de dote gründete, ist zweifelhaft,
es bestand ein arbitrium rei uxoriae **), und fand gewiß bei
der Scheidung statt, weil hier die Ehe aufgelößt wurde, ferner
auch bei dem Tode des Ehemanns, für welchen letztren Fall es
oft pacta gab, quae de reddenda dote fiunt, und die

34) Hier mußte aber ein pactum de reddenda dote da sepn.
35) Cicero topica c. 17.

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