Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

Die Quellen des sogen. FamilienrcchtS in Deutschland. 87
der Vater mußte gefallen lassen: aber nur wegen der Kinder,
wenn die Ehe durch den Tod der Frau gelöst wurde. Allein
dvn dieser retentio ob liberos, wenn von dem Tode der
Frau die Rede ist, kömmt im just. Rechte nichts vor, und da-
her haben die Glossatoren geschlossen, der eine Glossator,
jetzt gebüre dem Vater unbedingt die dos profeclitia, der
andre, jetzt gebüre sie unbedingt dem Manne, der sie für die
aufgehobenen retentiones erhalten habe. Franke will nun
Nachweisen, sie gebüre den Kindern und Erben der Frau jure
bereditario, und müsse nur conferirt werden, wenn sie ihren
Großvater mit andern suis beerben: wenigstens soferne die
Tochter sui juris gestorben sey. Auf sie gehe nämlich dann die
Stipulatio „dotem reddi“ nach Justillian'S I. un, Cod*
de rei uxor. act. über.
Allein wir getrauen auf einem andern Standpunkte zu ei-
nem ähnlichen Resultate zu kommen: es bedarf der hypotheti-
schen und kunstreichen Erklärung des justinianischen Rechts nicht;
der Vater, wenn er auch ex pietate eine dos gebe» muß,
thut es nicht im alten Sinne, wo er nicht mehr gibt, als er
absolut muß, wo er sich also den Rückfall der dos vorbehält;
sondern er anticipirt der Tochter etwas von ihrer Erbschaft.
Dadurch aber wird die dos eine solche, wie wenn die Tochter
sie sich selbst gegeben hätte, sie wird eine adventitia.
Gewiß ist nämlich
1) daß die Tochter mit ihrer Verheirathung aus der vä-
terlichen Gewalt herauskömmt, somit
2) der Fall nicht mehr eintreten kann, wo der Vater eon-
sentiente filia die dos zurückfodern muß: es handelt sich also
allein davon, wie cs mit der dos einer cmancipirten Tochter
steht.
3) So bestritten es nun sein dürfte, ob der Vater gesetzlich
verpflichtet ist, einer solchen Tochter eine dos zu geben, zumal
die alten Deutschen nur von der dos, die an den Vater der
Braut gegeben wurde, etwas wissen, und der Satz in Frank-
reich: n« dote, qui ne veut, felsenfest sich erhalten hat; so ist
doch gewiß, daß, wenn der Vater dotirt, er es nicht seinetwc-
öen, sondern der Tochter wegen thut, und als eine Anticipation
ihrer Erbschaft.
4) So gut nämlich Justini an annehmen konnte, die Re-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer