Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

84 Die Quellen des sogen. Familienrechts in Deutschland.
solut. w»tr. sehr schwierig, weil Einzelne darin besondere
Fälle und Ausnahmen finden S9), Andere dagegen nur Bei-
spiele eines Principes sehen ®°), in welchen man die Ehe aufrecht
erhalten, das divortium verhüten und sine fraude vetitae
donationis etwas vornehmen wollte, wobei man lediglich auf
den Sittenzustand des römischen Volkes achten mußte, und wo-
bei also auch noch andere Beispiele Vorkommen konnten, die
aber so wenig auf uns passen, wie die angeführten, indem viel-
mehr in noch vielen andern Puneten bei uns der Mann die
dos zu Gunsten der Frau verwenden darf, theils weil die im
Eingänge erwähnte öffentliche Bedeutung für die Erhaltung der
dos bei uns nicht, wie bei den Römern, eristirt, theils weil
die Rücksicht auf die Schenkungen, obgleich auch diese bei uns
unter den Eheleuten verboten sind, nicht so strenge angeschlagen
wird.
Niemals wird man in Deutschland in Dotalsachen die Ver-
hältnisse so fein nehmen, wie sie nach den Ansichten der Pan-
dectenschriftsteller aufzufassen sind, zumal uns in der That so-
gar die Principien fehlen, aus welchen die auctores ihre Ent-
wickelungen abgeleitet haben, und weßhalb es auch uns unmög-
lich ist, das römische Dotalrecht in der Zeit vor C o n st a n t i n
in jener Vollkommenheit darzustellen, wie es bei den Römern
wirkliches Recht war. Vergeblich sind daher unsre Bestrebun-
gen, auch nur historisch dasjenige aufzuhellen, was den Pan-
dectenschriststellern vorgeschwcbt hat, so anerkennend wir für die
Ansicht Hasse's eingenommen sein müssen.
Sicher aber ist es, daß alle diese Voraussetzungen niemals
in das deutsche Recht übergegangen sind, in welchem, da die
Ehe als christliche caritas hinlänglich befestigt war, die Ver-
mögensrechte keines besondern publieistischen Schutzes bedurften,
sondern mehr den Eheverträgen und Ansichten der Eheleute un-
terworfen, folglich rein privatrechtlich eonstituirt wurden.
Nur dasjenige haben wir erhalten, was in den Constitu-
tionen zur Sicherung der dos vorgeschrieben ist, und was
vorzüglich von Justinian herrührt: damit hängt denn von
selbst zusammen, daß die Frau, wenn der Mann insolvent

29) Z. B. Franke.
30) Z. B. Puchta.

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