Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

82 Die Quellen des sogen. Fainilienrechts in Deutschland.
ein deutsches Nutzeigenthum, bald den römischen usiimfructmn
hatten, wie man sich dieses denken wollte21), denn Alles hing
von dem Worte „Genießen" ab; erst die Heirathsverträge be-
stimmten die Sache genauer.
In bürgerlichen Verhältnissen entschied die Abtheilung der
Errungenschaft, wie man dieses vorzüglich in solchen Gewerben
sieht, wo die Frau Mitarbeiten muß. Daher wurde nicht nur
die Frage aufgeworfen, ob eine indotata am acquaestus theil-
nehme, was man nicht leugnete, folglich zngestand, daß die
Errungenschaft hauptsächlich für dic dotata gegeben ist; ferner
ist die Frage aufgeworfen, ob denn auch eine adeliche Rathö-
frau, eine Doctors- und Beamtenfrau an dem acquaestus
theilnehmen könne, da sie am Erwerbe selbst Nichts verdiene,
aber auch selbst dieses wurde besaht 2S).
Auf diese Weise steht unbezweifelt fest, daß es in Deutsch-
land keine donatio propter nuptias, sondern andre Institute
gab, welche an deren Stelle traten. —
§. 7.
C. Sind die Sätze des römischen Rechts über das gus
publicum in der Erhaltung der dos, also der Satz:
reipublicae interest mulieres dotes suas salvas ha-
bere
«nd dotis causa perpetua est,
strenge auf Deutschland angewendet worden?
Im römischen Rechte gehörte das Dotalrecht der Eheleute
nicht in das Vertragsrecht26): denn wenn auch ein Vertrag
darüber eingegangen werden konnte, so betraf derselbe nur die
Pflicht des Constituenten oder die Art und Größe der dos,
oder den Vorbehalt bei der Restitution der dos, oder umge-
kehrt die Anweisung des Manns auf die dos bei der dos pro-
fectitia 17): aber die Ncftur der dos, das Recht des Mannes

24) Man vergl. darüber Engau, jus germ. §. 340. Stryk, U. M.
ad lib. 23. t. 3. §. 24. und Andere.
25) Kreitmayr zu seinem Landrccht, I. Thl- VI. Cap., §. 20.
26) Hauptsächlich gilt der letzte Saß so, daß der Mann die dos lu-
crirt, wenn nicht durch eine stipulatio Vorsehung getroffen war,
I 1. D. de jure dolium.
27) Z. B. I. 12. pi. 1. 20, §. 1. 0. 23, 4.

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