Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

74 Die Quellen des sogen. Familieurechts in Deutschland.
-er schon auf andere Art bedacht wurden, z. B. durch Thei-
lung der Errungenschaft, oder, wenn der binubus oder die bi-
nuba diese behielt, durch einen Voraus u. s. w. Schon des-
halb kann auch das römische Recht als ein Verbot nicht wir-
ken, weil es die Voraussetzungen des reinen Dotalsystems bei
uns nicht hat, auf welchen es ursprünglich errichtet ist.
C- Wenn die uxor binnba ein Kind aus erster Ehe ab
intestato beerbt, so soll sie die Proprietät daran verlieren und
nur den Niesbrauch behalten, Nov. 82 c. 46. Auf den Va-
ter soll dieses Verhältniß nicht anwendbar sepn, und zwar des-
halb, weil die zweite Ehe der Weiber viel schlimmer sey wie die
der Männer.1S) Wäre es wahr, daß dieser Grundsatz im rö-
mischen Rechte für entscheidend gehalten worden wäre, was
wir noch bezweifeln, so würde dieses dem System der Kirche und
des kanonischen Rechts widersprechen und schon deshalb nicht
anwendbar seyn. Mit vollem Rechte erklärt das bairische Land-
recht, a. a. O., §. 4tz:
„Nach Absterben eines Ehegatten kann 1. der andere nach
eigenem Belieben alsofort wiederum zur zweiten oder weiteren
Ehe schreiten; und obwol 2. in denen Römischen Rechten ver-
schiedene Strafen hierauf geschlagen seynd, so haben doch solche
weder nach geistlichem Recht (also ganz im allgemeinen
gültig für Deutschland), noch nach hiesigem Landeögebrauch mehr
statt."
Die zweite Ehe soll frei sein, und daher sollen auch nicht
jene Wittwen bestraft werden, die, ohne wieder zu heirathen,
liederlich leben.
Endlich aber ist schon der Standpunkt entscheidend, daß
der Vater hier frei sein soll, was nach den allgemeinen christ-
lichen Grundsätzen über die gleichen Wirkungen der Ehe nicht
stattfinden dürfte.
I). Was von der Vormundschaft gesagt ist, (Nov. 82.
c. 40., Nov. 94. c. 2.) hat hier keine Bedeutung, weil im
römischen und deutschen Rechte hier am Ende Alles vom arbi-
trio judicis abhängt. Man sieht dieses im römischen Rechte
schon angedeutet, nainentlich in der
I, 3 §. 12. D. de suspectis tutor. , 26, 10,

v 16) Marczoll in seiner Zeitschrift V. Bd. S. 363 ff.

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