Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

70 Die Quellen des sogen. Familienrechts in Deutschland.
Kindern dieser Ehe entweder durch daszErbrecht, oder den neuen
Erbvertrag, oder als Errungenschaft gehören, zu welcher letzt-
ren fette lucra gewöhnlich gezogen werden, eben weil sie keine
dos sind. Vor Allein ist nicht zu übersehen, daß hier eine
Menge einzelner justinianischer Verordnungen eingreifen, so daß
schon der geschichtliche Gang dieser Lehre so schwierig ist, daß
die Practiker ihn niemals gehörig aufgefaßt haben würden ").
Auch war die ganze Lehre auf die donatio propter nup-
tias berechnet, namentlich zur Ausgleichung mit den Kindern
der zweiten Ehe, welche nie in Deutschland stattfand. Endlich
aber, und dieses scheint uns durchaus entscheidend, bestand nie-
mals weder in Deutschland noch in Frankreich das reine rö-
mische Dotalsystein: sondern die Rechte der Frau nach dem
Tode des Mannes, und indirect die Rechte der erstehelichen
Kinder waren entweder durch einen besonder» Vertrag oder
durch Ortsgewohnheit") also bestimmt, daß es durch-
aus unnöthig gewesen wäre, auf jene Maaßregeln des römi-
schen Rechts zurückzukommen, da im deutschen Rechte bessere
Bestimmungen getroffen waren. In dieser Hinsicht würde es
dann nöthig sein, auf die einzelnen deutschen Ortsgewohnhciten
zu verweisen: wie dieses auch Mittermaier thut "), ob-
gleich derselbe blos dadurch die Sache faktisch macht, ohne zu,
erklären und auszuführen, daß das reine Dotalsystem des rö-
mischen Rechts nur da in Deutschland Vorkommen könnte, wo
man sich durch einen besonder» Vertrag ausdrücklich darauf be-
zogen hätte, weil es nämlich nicht gesetzlich und gewohnheits-
mäßig, sondern nur der Disposition der Parteien überlassen ist.
Dadurch aber wollen wir nicht leugnen, daß man in Deutsch-
land nach dem Dotalsysteme gelebt habe, nur müssen wir vor-
aussetzen, daß die Auflösung der Ehe nach ganz anderen Grund-
sätzen beurtheilt wurde, wie im justinianischen Rechte. Denn

11) Zimmern, Rechtsgesch., §. 178. Glück 6om. 24. Band.
Löhr, im Archiv, XVI. Bd., S. 34 ff.
12) Die OrtSgewohnhcit aber richtet sich hauptsächlich nach den Stän-
den, und das ganze deutsche Familienrecht war ein Ständerecht.
Für die Wittwcn des Adels, wie für deren Kinder war schon durch
das Stamm gut gesorgt: für die Angehörigen der Bürger aber
durch die Errungenschaft.
13) Gem. d. Privatrecht, §. 412.

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