Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

Die Quellen des sogen. Fnmilienrechts in Deutschland. 69
Nische Recht für aufgehoben annahm, man doch die Strafen
der zweiten Ehe zuließ. Man übersah dabei gänzlich, daß
beide Dinge in der innigsten Verbindung im Codertitel stehen,
und daß man schwerlich den einen Punkt wird vertilgen und
den andern aufrecht erhalten können.
Endlich aber, wenn für den Fall, wo in vielen Jahrhun-
derten eine Scheidung nicht vorkam, diese Strafen nicht ange-
Wendct werden konnten •), sollten sie auf einmal wieder anzu-
wenden sein, wo die protestantische Lehre die Scheidungen «
Vineulo und die Wiederverheirathung wieder zuläßt?
Doch auf Alles dieses kömmt es gar nicht an. Wenn in
den verschiedenen Ständen eine dos oder auch Aussteuer gege-
ben wurde, so war gewöhnlich noch ein andrer Ehevertrag da-
bei: bei dem Adel das Wittum oder dotalitium, bei dem Bür-
gerlichen die Errungenschaft: löste sich nun die Ehe, so wurde
die rlos zurückgegeben, aber die Frau bekam daneben das Wit-
tum oder dotalitium, oder einen Theil von der Errungenschaft,
oder ihr Theil an der Errungenschaft fiel an die Kinder, und
schon deshalb dachte man nicht an die römischen Vermögens-
strafen der zweiten Ehe.
Wollte man endlich auch noch die einzelnen poenae se-
cundarum nuptiarum prüfen, so würde man finden, daß sie
auf unsre Verhältnisse nicht gut anwendbar sind.
A. Sieht man auf die Strafen, welche mittelbar den
Bortheil der erstehelichen Kinder bewirken sollen, namentlich auf
die Erwerbung der lucra nuptialia, so ist, diesen Ausdruck in
seiner allgemeinsten Richtung genommen, bekannt, daß es eine
donatio propter nuptias im römischen Sinne nicht gibt, und
die dos auf eigene Weise restituirt wird sodann andre
hera nuptialia bei uns selten Vorkommen, und jedenfalls den
0) Wie klanglos der gelehrte Glück über diesen Punkt weggeht, be-
weist sein nur >2 Zeilen umfassender Präjutucialpunkt bei einer
Lehre, die 120 Seiten füllt: er fuhrt an, auch jetzt noch fänden
die Strafen der zweiten Ehe bei Scheidungen statt, weil sie zu
Justinians Zeiten stattgefunden hätten. Allein als die Glossa-
toren das römische Recht erplicirten, konnten fie gewiß dieses nicht
annehmen, weil es damals Scheidungen nicht gab, nach welchen
bei dem Leben des Geschiedenen eine neue Ehe möglich war. Ue-
ber die alte und neue Methode der Interpretation oes röm. 3t- in
meiner Rechtsgeschichte.
W) vecret. IV. 20.

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