Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

68 Die Quellen des sogen. Familienrcchts in Deutschland.
vorgeschrieben ist, so ist die Wesenheit dieser Vorschrift nur
darauf gestellt, daß eine Erklärung vor dem competenten Pfar-
rer und zweien Zeugen erfolge. Die Benediction der Kirche,
welche also hier nicht für wesentlich erkärt wurde, sollte unter-
lafsen werden, indem die Kirche einen Haß gegen eine gewisse
Verbindung hatte, wenn auch die Ehe gültig war ').
Daraus folgt nun so viel, daß, weil es in der germani-
schen Welt die Ehe eines Geschiedenen nicht gab, solange der
andre Theil lebte, auf gedachten Fall die Vermögensstrafen der
zweiten Ehe nicht anzuwenden waren.
Es bleibt daher allein der Fall übrig, ob wenn ein Ehe-
gatte, dessen Gemahl gestorben war, zur zweiten Ehe schreiten
wollte, derselbe an die Vermögensstrafen des römischen Rechts
gebunden war. Allerdings sind dieselben in den Coderstellen für
diesen Fall hauptsächlich geschrieben, und zwar zu einer Zeit,
wo schon das Christenthum auf die Kaiser influirte: allein, nach-
dem man in der germanischen Christenheit für die Kinder der
ersten Ehe besser zu sorgen wußte, wie durch ein paar kleinliche
Vermögenszuwendungen, nachdem man die zweite Ehe für christ-
lich erlaubt hielt, und nachdem der Standpunkt des römischen
Rechts, wornach auch Geschiedene heirathen durften, setzt ohne
Wirkung war, und das canonische Recht gar nichts darüber
sagt, endlich da man dasjenige politisch nicht strafen kann,
was man kirchlich für erlaubt hält*), und überhaupt das
Ineinander schmelzen der kirchlichen mit den weltlichen Ansichten
in der Ehe nicht nur vollkommen in favorem der kirchlichen
Lehre hervortrat, ja sogar die ganze Ehe nach kirchlichen Prin-
cipien beurtheilt wurde, so läßt sich leicht denken, daß man auf
die Coderstellen keine große Bedeutung legte.
Nur der Umstand der neueren Zeit, wornach unter den
Protestanten auch Geschiedene sich wieder verheiratheten, ferner
der Umstand, daß man lieber auf das römische Recht sah, wie
auf das canonische Recht, war es, der den gedachten Codertitel
wieder erweckte , und der es wenigstens soweit brachte, daß,
wenn man auch die Strafen des Trauerjahrs durch das cano-

7) Die Note Böhmer's sä c. 1, X. äs gsounä. nupt. ist ganz un-
richtig.
8) tlsn. 11, csut. 31, qu. 1, c. 12. eod.; c. 1, c. 32, qu. 4.

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