Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

Beilage V Savigny über ProzeHzinscn. 443
dieses in der That nur Verzugszinsen, sie heißen aber Pro-
zeßzinsen, weil sie mit dem Prozesse erst anfangen.
Will man daher diese Lehre dogmengeschichtlich verfol-
gen, so genügt es nicht, Schriftsteller für und wieder zu citi-
ren, sondern man muß ihre Unterlage kennen. Spreche» denn
die alten Glossatorcn Martin us undJacobus von Pro-
z e ßzinsen? Nein sie spreche» von Verzugszinsen: (adserunl
eam loqui de judiciis stricti juris, quum in bonae fidei
contractibus usurae ex mora debeantur3). Savignp er-
langt freilich leicht seinen Begriff Prozeßzinsen, indem er an-
nimmt , die Verzugszinsen selbst sehen nur eine Folge einer
allgemeineren Regel, daß Jeder jede denkbare Art von Frucht
ersetzen müsse, was aber weder von ihm bewiesen ist, noch ir-
gend einen directen oder indirecten Vorgänger in der Dogmen-
geschichte hat.

8- 5.
I. Das Interesse aus dem Verzug geht natürlich auch auf
andere Leistungen, wie auf Geldforderungen. Wollte man da-
für den Ausdruck Zinsen gebrauchen, die ja umgekehrt auch
Interesse bei uns heißen, wer würde ein Arg finden? das
wollen wir wohl zugeben, daß sich bei einer Geldforderung
die Quantität des additamenti leicht ausrechnen läßt, auch
daß man für die Größe derselben bald eine Landesgewohnheit
finden wird, und noch kann man zugeben, daß am Ende auf
den Geldwerth alles mögliche Interesse durch die Benützung der
Wechsel sich wird hinführen lassen; aber einen Fundamental-
Unterschied des Interesses einer Geld- und anderen Forderung,
soweit von Quantitäten die Rede ist, können wir nicht einse-
hen. Wenn Savignp behauptet, das Interesse bestehe bei
allen Forderungen, namentlich bei denen auf Quantitäten; da-
gegen bei den Geldfordcrungen bestehe noch überdies die all-
gemeine Verpflichtung wie bei den Früchten, so hat er dafür
gar nichts, und in der That deutet die 1. 13. Cod. de usuris
nur zwei Zinsarten an:
a) die Verzugszinsen,

3) Haenel, diss. dom. pag. 43.

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