Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

Beilage III. Neueres Recht. 417
II. 2Baö aber bte res judicata angeht, so muß man wohl
a) die faetische Bedeutung dieses Verhältnisses
b) von der juristischen Richtung der Frage unterscheiden.
Die erste ist im Geiste unseres Prozesses so einfach zu er-
ledigen, daß kaum ein solches Verhältniß in unserem Leben Vor-
kommen wird, nach welchem man einen Zweifel haben kann
über die Verschiedenheit des Falles. Die Schriftlichkeit der
Verhandlung, die Begründung der Klage nach dem vollkom-
menen historischen Fundamente, die vollständige Verhandlung
im Interesse des Verklagten, die Regeln, welche über den
Beweis gegeben sind, mit den Entscheidungsgründen unserer
Urtheile, mit der Hervorhebung der Nebensachen zur Haupt-
sache, und des Einflusses der letzteren auf die erftere», wirken
so zusammen, daß die Lehre der eadem quaestio und eadem
res von dem faetischen Standpunkte fast unter den Rechtsge-
lehrten vergessen worden ist. Es wird nie ein Beweis über
diesen Fall verlangt werden: die Frage ist durchaus eine
Rechtsfrage. Man hat daher
ad b. die Sache nur von der positiven Seite ihrer Be-
deutung, d. h. hinsichtlich der Coneurrenz der Klagen auffassen
wollen, denn diese Richtung ist in der That die positive Richt-
ung der Frage selbst. 1S) Dabei läßt sich nun nicht läugnen,
daß ein Theil der römischen Vorstellungen, z. B. der über
die eoneurrenten Klagen ex delicto in Deutschland größten-
theils unpraetisch geworden ist, und daß der andere Theil
bald von juristischen Begriffen bald von prozessualischen Vor-
aussetzungen abhängt, z. B. daß auf dasselbe Objeet ein Jnter-
diet und die R. V. angestellt werden kann, und diese Klagen
verschiedenartige sind, obgleich das Physische Objeet dasselbe ist:
allein weil es sich von einem juristischen Objeete handelt,
wird die Sache klar. Ferner daß, wenn nach unserem Prozesse
über eine Zinsklage entschieden ist, zugleich auch die Präjudi-
eialfrage über das Capital erledigt seyn muß, versteht sich
wieder von selbst, indem bei uns nicht mehr der formelle
Standpunkt der Klage, sondern der materielle des Rechts,
wornach das Nebenrecht nur von der Eristenz des Hauptrechts
abhängt, entscheidend ist.

13) So ist es aekomiiien, dasi sie B artol» s schon von dieser Seite
anaesehen hat.

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