Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 6 (1848))

390 Beilage 11. Mittetalterisches Recht.
Nur als in der späteren Zeit wieder der alte Gedanke
aufkam, namentlich bei den französisch-philologischen Juristen,
daß die litis contestatio eine Art von Contract sey, im Sy'
stem des classischen Rechts, glaubte man, daß man nach der
litis contestatio nicht mehr ändern könne.
Donellus de juro civ. lib. XXIII. c. V. 4—-7.
Comment. ad 1. 3. God. de edendo.
ConnneiU ad tit Inst, de action. h. 1.
Dieser Satz wurde auch von der deutschen Praxis gutge-
heißen, weit durch das Reichsrecht schon Ln der ersten Schrift
des Beklagten diesem verschiedene incommoda aufgelegt wur-
den , er also dagegen den Vortheil haben müsse, die dem Klä-
ger gegenüber erworbenen Rechte zu bewahren; und daher ist
natürlich die unrichtige Ansicht derjenigen, welche alles von
der litis contestatio abhängig machen, sehr befestigt worden. 491
Die Geschichte der Lehre von der mutatio actionis ist
eigentlich der wichtigste Punkt in der Beurtheilung der Ver-
änderungen im Systeme des Prozesses.
1) In der Zeit des alten ordo judicii konnte man die
formula durchaus nicht ändern, denn es war die exceptio
rei in judicium deductae begründet, eine wahre und voll-
kommene Litispendenz. So sagt Sen ec, epist. 117. 4
Primo vinculo tenentur, et mutare illis formulam non licet
2) Als aber eben dieses Formularwesen zerstört ward,
hatte es kein Bedenken mehr bis zur sententia oder res ju-
dicata die actio zu ändern. Zwar haben wir dafür kein eige-
ist es, die ganze Darstellung des Bartolus zur !. 3. Cod. de
edendo zu lesen. Hier wird man finden,' daß Bartolus die
Begriffe emendare und mulare unterscheidet, den ersten Begriff
aus Förmlichkeilen, den anderen auf den Inhalt beziehend, bei
dem letzteren anführt, daß die Glosse an die auik. qui semel sich
haltend, die Klage nicht mehr ändern lasse, wenn die Ktagschrift
überreicht sey; daß dagegen Odosredus die auth. anderes ver-
stehe , indem sie von der mufalio nicht spreche, sondern nur den
Kläger zwingen solle, die Klage fortzusetzen, also ein Contumaei-
aiverfahren gegen ihn begründe. Bartolus schließt sich nun der
Ansicht des Odosredus an, und so ist die Stelle entstanden,
die wir oben haben abdrucken lassen. Ueberhaupt ist in allen die-
sen Punkten Bartolus der beste Darsteller der mittelalterischen
Dogmengeschichte.
h\Y) Es ist ein sehr künstliches Fundament, welches Buchka legt,
wenn er aus dem alten römischen Rechte die passive Prozeßobliga-
gation des Klägers ableitet.

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