Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

Beilage II. Mittelalterliches Recht. 39.3
3) die sogenannte historische — deren Bedeutung leider
dahin hing, die Welt unserer Erfahrung zu romanistren.
Natürlich fehlte es hier an der wahrhaft historischen Schule,
deren Mittelglied das Mittelalter ist, welches rationell und hi-
storisch practisch war im Geiste seiner Zeit, die für sich lebte,
und weder dem römischen Alterthume, wie unsre Historiker,
noch der Zukunft, wie unsere Nationalisten 47) sich ergab.
§♦ 27.
Von der mutatio actionis.
Eine Art von Litispendenz wird auch darin gefun-
den, daß der Kläger von der angestellten Klage nicht mehr
zurücktreten darf (@> oben §. 12). Es steht dieses zwar nicht
in der nov. 112, c. 3. und ber auth. qui semel, allein man
hat die Stelle lange so aufgefaßt, während sie eigentlich nichts
will, als ein Contumacialverfahren gegen den Kläger. Auch das
canonische Recht hat darin nichts abgeändert, nur soll der
Kläger sich mit der Parthei abfinden, namentlich die Kosten
ersetzen. Freilich mußte die Parthei sich schon auf den Prozeß
eingelassen haben, was man im Mittelalter litis contestatio
nannte. Die Schriftsteller, welche ihren nächsten Anhaltpunkt
in Stellen des römischem Rechtes fanden, hielten sich freilich
an die oben angeführte Novelle, wornach sogar die Jnstitu-
tionenstelle §. 35. J. 4.6. abgeändert sev, und lehrten — nicht
nur nach der litis contestatio könne man die Klage nicht mehr
ändern, sondern auch schon vor der Litis-Contestation si reus
sit conventus et libellus datus
glossa ad 1. 3. Cod. de edendo,
allein allmählig dachte man mehr an das canonische Recht und
an die Gunst, die durch das richterliche officium entstehen konnte,
und das beste Zeugniß darüber gibt uns Duranti in spe-
culo jur. lib. IV. part. I. de libellor. concepi. §. 7. So
lehrten denn auch die Interpreten des Civilrechts bis herunter
auf den oben angeführten Dartolus. 4S)

47) Der größte Fehler der neuesten romanischhistorischen Werke liegt
darin, daß man die alte litis cont» des römischen Rechts mit der
sogenannten negativen und positiven Funktion auch auf unser Leben
anwenden will', wie z. B. Bange row in dem Leitfaden und
Buchta in dem oft angeführten Werke.
48) Sieh die im §. 12. citirte und ausgezogene Stelle. Besser aber

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