Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

Beilage 11. Mittelalterisches Reche. 377
nur zu bemerken ist, daß, »veil der Prozeß im canonischen
Rechte schriftlich vor sich geht, die objectiven Elemente biö
auf den Erwerbgruud viel klarer hervortreten, »vie im römi-
schen Rechte, so daß zur Begründung der Einrede ein Beweis
der Thatsachen gar nicht nöthig ist, weßhalb dieser Punkt im
canonischen Rechte ganz übergangen »vird. Dagegen »vas die
subscctiven Elemente der res judicata angeht, so hat das
kanonische Recht ausdrücklich bernerkt, daß auch diejenigen an
die frühere Entscheidung gebunden seyen, mit deren Wissen der
Prozeß geführt fei;, oder welche von dem Prozesse Kenntniß ge-
habt und vielleicht auch durch eine Art von Singularsuccession
betheiligt seyen. Anwendung auf die Lilis-Denunciation. Ganz
anders steht es im römischen Rechte, wo nur derjenige Singu-
larsuccessor gebunden und berechtigt ist, der die Sache nach dem
rechtskräftigen Urtheile erwirbt. Vielleicht ist das cap. pen. nur
eine Wiederholung der I. 63. v. 42. I. die Glosse aber geht wei-
ter und hält sich an den Satz acta inter alios aliis neque no-
cent neque prosunt. Hieher gehört das envähnte e. 23. X.
de sent et rejud. Savigny hat darauf keine Rücksicht ge-
nommen S. 470. VI. Wegen der Restitution s. Bayer S. 691;
im eanonischen Rechte kömmt der Unterschied zwischen unheil-
baren und heilbaren Nullitäten nicht vor: daher ist die Lehre
von der heilbaren Nullität erst seit der Mitte des siebenzehnten
Jahrhunderts eingeführt worden. Bayer S. 673 ff.
§. 16.
Von der Ereeution.
Die Ereeution findet dann statt, »renn die sententia zur
res judicata geworden ist, d. h. wenn eine Apellation und
Supplieation nicht mehr stattfindet; auch außerordentliche Um-
stände nicht vorgekominen sind, »vodurch eine Restitution oder
gar eine Nullitätsquerel erhoben »vorden ist: denn auch auf
die außerordentlichen Umstände darf der Ereeutionsrichter
Achtung nehmen. 223 Die Ereeution selbst fällt mit dem Ge-
sammtprozesse zusammen, eben, weil man die actio judicati
nicht mehr hat, und weil die Vollziehung nichts anderes ist
wie die Realität des durch den Gerichtöspruch entstandene»
forinellen Rechts. Auf diese Art »vird die Formalität

22) Lancelotf. us de execulione rei judic. §. ult*

2;S*

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