Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

Beilage II. Mittelalterisches Recht. 365
eine Mündlichkeit der Litis-Contestation wie im alten rö-
mischen Rechte annehmen und sogar für wesentlich erklären?
Endlich aber wird Alles unendlich klar, wenn wir den
Tancredus über diesen Punkt lesen.
Et nota, dominos Azonem et Pillium sentire et dicere
litis contestationem solummodo tunc valere, quando
ea intentione fit, ut in causa procedatur; dicunt enim,
quia, sive reus confiteatur, sive neget, sive excipiendo
factum proponat, non praejudicat ei, dummodo litem non
intendat contestari. Sed contradicit illis expresse decre-
talis illa de dol. et cont.9) prout — hier bemerkt Berg-
mann in seiner Ausgabe auf den Rechtsfall dieser Stelle hin-
weisend: der Beklagte hatte keinen Advokaten, der Richter fragte
ihn aber, wie lange er das Zehendrecht ausübte, worauf er
geantwortet hat „vierzig Jahre — der Jurist sage, diese res-
ponsio fey keine litis contestatio.
In fioc tamen cum iis sentio, quia, licet quis faciat
responsionem in principali causa non ea mente, ut in
causa procedat, sed judici tamquam amico narrat fac-
tum, protestando id se facturum sine praejudicio suo, vel
si aliqua in modum exceptionis judicium proponit decli-
nando, non dico litem contestari, per talem narrationem.
Argumenta sunt etc.
Man sieht also klar, wie der Pabst seine Stelle aufgefaßt
haben wollte, und daß keineswegs darin eine Bestätigung des
justinianischen Rechts gefunden werden darf. Gerade allein
darauf kommt es in unserer Lehre an, daß der Pabst die bloße
Verhandlung über die Sache noch nicht für eine litis contes-
tatio ansicht, sondern verlangt
a) ausdrücklich die Erklärung, daß man litem contestiren
wolle,
b) stillschweigend, daß man nicht als contumax befunden
werde, vielmehr der Weg geöffnet sey, soferne etwas an derLitis-

9) Hiernach gehe die Ulis contestatio noch weiter, denn wenn der
Beklagte überhaupt sich nur erklärt habe, sep er nicht contumax
c. 4. X. de dolo et contum. Allein der Gegensatz zur contuma-
cia ist freilich noch nicht die litis contestatio, obgleich die Canoni-
sten es angenommen zu haben scheinen, weit sie zur Realiffrung
der Präjudizien geeignete Strafmittel hatten.

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