Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

346 Beilage I. Der justinianische Prozeß.
es denn auch allein möglich wird, daß von einer res judicata
die Rede seyn kann.
b) Bei den actiones in rem aber kömmt es auf den
Erwerbgrund nicht an: wenigstens im römischen Rechte; ob cs
in unserem Rechte nicht anders ist, und zwar nach den Reichs-
gesetzen, ist sehr zweifelhaft'"); aber auch schon bei den Rö-
mern konnte man nochmals klagen, wenn der Erwerbgrund,
aus welchem man später klagen wollte, erst später cingetreten
ist (causa superveniens) oder wenn man in der Klage selbst
den Erwerbgrund angegeben hat. Ob man in der alten Zeit
den Erwerbgrund in die kormula bringen konnte, ist bestritten;
aber nicht zu zweifeln ist es, daß inan in der justinianischen
Zeit ihn in der Klage Vorbringen konnte, weil hier nichts von
den korrnulis abhing, weßhalb auch die Erklärung einzelner
Pandeetenstellen nicht entscheidend werden kann. 2S) Freilich
behauptet Savignp, daß man auch schon in der alten Zeit
die expressa oder adjecta causa ganz allgemein, und nicht
in blos obligatorischer Form zu dem Beklagten, also nicht blos
als actio in personam habe aufsteklen können. S9)
Ad b. handelt es sich von der subseetiven Identität der
Klagen, so versteht sich von selbst:
1) daß der res judicata unterworfen sind diejenigen, wel-
che universali modo wie auch diejenigen, welche singulari
titulo sueeediren, und zwar sowohl die obsiegende wie die un-
terliegende Parthei: nur muß die Sueeession nach dem rechts-
kräftigen Unheil begründet werden so). Viele behaupten schon
nach der litis contestatio, und dies ist daher abzuleiten, daß
im alten Rechte Alles auf die petitio zurückbezogen wurde S,J.
27) Savignp VI. S. 533.
28) Savignp VI. S. 521. ff.
29) Puchta (Rhein. Museum II. Zahrg. 3s Heft) behauptet, die ding-
liche Klage sep eonsumirt, ob man mit oder ohne expressa causa
geklagt habe, denn nur die erst nach dem Anfänge des Prozesses
begründete neue Erwerbung sep respeetirt werden: s. auch Van-
ge row l S 267; allein die Gegner sagen: die adjeda causa habe
der Klage eine Speeialität gegeben, daß man später mit einer
anderen adjeda causa eine neue Klage habe entwickeln können.
Unsre Praxis hat die letztre Meinung , wenn auch aus andern
Gründen, nämlich im Geiste des neueren Prozeßgangs, welchen
Savignp freilich für unbegründet hält, angenommen.
30) I. 3. §. t. v. 20, l I. 29. §. t. I. 11. § 10. D. 44, 2.
31) Vangerow S. 209 nach Keller.

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