Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

342 Beilage!. Der justinianische Prozeß.
die Umänderung der Grundsätze von der piu8 petitio. Nichts
ist verständiger, als daß das kanonische Recht diese natürliche
Umgestaltung rein und einfach angenommen hat.
Die res judicata im justinianischen Rechte war eine schon
aus actenmäßiger Verhandlung oder aus der Scriptur deö
Urtheils durch tabelliones hervorgegangene Erscheinung, und
erinnert an Nichts mehr, was in der alten Formularjurispru-
den; liegt; am wenigsten mehr an der Klagconsumtion 18).
So ist eS denn geschehen, daß diese Lehre heute wirklich
noch so steht, wie sie im justinianischen Rechte stand. Daher
hat die actio judicati, so ferne sie im justinianischen Rechte
noch Vorkommen sollte *°), eine offenbar andere Erscheinung,
wie unter der prätorischen Jurisdiction; sie ist nämlich
durchaus nicht mehr selbstständig, sondern ist nichts wie der
Anfang der Personal- oder Realerecution. Aber
gerade deßhalb behaupten wir mit Franke20), daß der Aus-
druck actio judicati damals ungewöhnlich ja unpraktisch ge-
worden sep, weßhalb wir auch keinen Titel in den Pandecten
und Codex mehr finden *‘).
Was nun aber die exceptio rei judicatae betrifft**},
so ist ihre Bedeutung dieselbe in unsrigem wie im justiniani-
schen Rechte. Hier also wird die Frage wichtig, was ist res
judicata? Die offenbar gediegenste Abhandlung darüber hat
zuletzt Savigny geliefert, im VI, Bande seines heutigen rö-
mischen Rechts. Er hat nicht nach ein paar Nummern, nicht
in einer gewissen Allgemeinheit, sondern wahrhaft'prineipmäßig
die Sache er sch ö p ft. Er geht von den zwei Hauptsätzen aus:

18) v Savignp VI. Bd. S, 281. 307. ff.
19) Die actio judicati war in ihrer eigenthümlichen Gestalt eine setio
in duplum, die wir nicht mehr haben. Holtius, hislor. jur.
pag. 159
20) Civilist. Archiv Bd 23. S, 406.
21) Andere leicht zu widerlegende Ansichten hat Buchka II. S. 79,
22) Davon spricht auch Justinian in den Institutionen §. 5. J. de
exception: aber dunkel genug in Beziehung auf die obligatio na-
turalis — die freilich nur soweit soll weggeräumt werden, als
man die exceptio rei judicatae gebrauchen kann — wie uns scheint
nach unsrer oben ausgedrückten Ansicht, Darauf hat auch schon
Savignp aufmerksam gemacht im V. Bd. seines heut. R. R. bei
dieser Controverse.

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