Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 6 (1848))

Beilage l. Der justinianische Prozeß. 331
est, sed reus, cum iniquam formulam acceperit, in in-
tegrum restituitur, ut minuatur condemnatio u. s. w.
§. 88. si in demonstratione plus aut minus positum sit,
nihil in judicium deducitur u. s. w., wobei man erkennt, daß
auf condemnatio und demonstratio bei der plus petitio nichts
ankömmt; darauf also läßt sich nun freilich Justini an mit
Recht nicht ein, sondern spricht nur davon, si quis agens
in intentione sua plus complexus fuerit -- (während Ga-
jus natürlich das Wort «agens» nicht gebraucht) und schließt
dann damit «sed haec quidem antea in usu fuerant»: nun
geht er auf die Constitution Zeno's über, und unterscheidet
hier tempus und quantitas; in seiner Constitution aber kommt
nur die quantitas vor; und es wird bestimmt, daß wenn der
Kläger zuviel fordere, und deßhalh der Beklagte Scha-
den leide (aber nicht außerdem) eine Strafe für den Kläger
eintreten solle; nicht aber wenn er zu wenig fordre, wo dem
Kläger vielmehr gestattet sepn solle, in demselben judicio das
Mehr nachzufordern. Dieses war anders in der Zeit des
Gajus, wo es §.56 hieß: sed de reliquo intra ejusdem
praeturam agere non permittitur, nam qui ita agit, per
exceptionem excluditur, quae exceptio appellatur litis
dividuae — auch dieser Punkt bezieht sich natürlich auf das
Formularverhällniß des ordo privatus, namentlich darauf,
daß die obligatio allein aus dem condemnari oportere ab-
gemessen werden mußte, weßhalb der Kläger natürlich die
Nachforderung desjenigen verlor, was er früher zu wenig
verlangt hatte. Ganz eonsequent heißt es denn auch im ver-
änderten Prozesse und im justinianischen Sinne so: si quis
aliud pro alio intenderit, nihil eum periclitari placet, sed
in eodem judicio, cognita veritate, errorem suum cor-
rigere permittimus, veluti si is, qui hominem Stichum
petere deberet, Erotem petierit, aut si quis ex testa-
mento sibi dari oportere intenderit, quod ex stipulatu
debetur.
Die plus petitio hatte also schon im justinianischen Rechte
keine Folgen mehr in Hinsicht auf den Prozeß, und die litis
contestatio mit dem condemnari oportere war somit für
die Partheien auch in dieser Hinsicht ohne Wirkung.
Nach dem Prozesse der formulae stand die Sache durch-

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