Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 6 (1848))

Beitaqe I. Der juftinianischc Prozeß.

323

dicium angewiesen auf das Ganze quod sibi debetur. Der
judex sollte die obligatio condemnari oportere pnrisicircn.
Daran denkt Justini an nicht mehr, sondern er zeigt an,
daß jeder, welcher einen Rechtsanspruch habe, klagen könne.
Was also in den Pandecten I. 3-1. D. 44, 7. steht, bedeutet
etwas ganz anderes, als was Justinian in den Institutionen
gesagt haben will. Gerade aber in diesem neuern Sinne und
in derselben Richtung muß man Alles dasjenige verstehen und
deuten, was in den darauf folgenden §§. ausgefnhrt wird.
§• 4.
§. 1. 2. J. 4. 6.
Wie wenig historisch der §. 1. lautet, sieht man
a) aus dem Worte arbitrosve: in der alten Zeit unter
Cicero waren die jndicia strenge, die arbitria freie Gerichte
d. h. die arbitri konnten dem Beklagten eine Summe setzen,
die sie dem Kläger zuwendeten, wenn er den Prozeß gewon-
nen hatte und der Beklagte die Naturalrestitution nicht gewäh-
ren wollte. Dieser Unterschied kam schon lange vor Justi-
ni an nicht mehr vor.
b) Dagegen wird sehr richtig in diesem §. der Unter-
schied des dinglichen und Obligationenrechts bezeichnet, der
noch practisches Recht ist. Justini an fährt fort von den
Servituten zu sprechen, aber wieder mit großer Willkür, weil
es im 8- 2. am Ende heißt: 8ane uno casu, qui possidet,
nihilominus actoris partes obtinet, sicut in latioribus Di-
gestorum libris opportunius apparebit.
§. 5-
§. 3 — 7 J. h. t.
Sofort geht Justinian auf die prätorischen Klagen über,
und stellt die willkürlichsten Klagen aneinander, z. B. die pub-
licianische Klage und eine specielle Rescissionsklage. Die erste
nämlich war eine Fictionsklage, wie sie Gajus im 8- 36.
des IV. Buches uns andeutet, denn da der Kläger sich auf
das jus Quiritium nicht berufe» konnte, so wurde angenom-
men, (fingitur), rem usucepisse, und darnach wurde die kor-
mula so bestimmt, als wenn der Kläger die Sache ex jure Qui-
ritium erworben hätte. Daß die andere Klage — die Resti-
tutionsklage nicht hieher gehört, und am wenigsten ebenfalls eine
publiciana genannt werden kann, obgleich dies Viele behaup-

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer