Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

322 Beilage l. Der justinianische Prozeß.
letzteren verstehen will. Man wird dadurch finden, daß man-
che Räthsel in den einzelnen Worten Justini ans liegen, und
daß man sogar Manches dazu denken muß, um den Organis-
mus des Systems zu begreifen. So kömmt hier Nichts vor
1) von der litis contestatio, denn sie war ja nur die
mündliche Erklärung des Beklagten, den Streit anzunehmen,
und soferne man von diesem Momente etwas ableiten will,
soll es der Richter thun können, der wo es keine formula
für ihn mehr gibt, nicht mehr blos über den Hauptpunkt, son-
dern auch über die omnis causa zu entscheiden hat. So ist
der Titel in den Institutionen de officio judicis aufzufafien.
2) Dagegen laufen die Begriffe der actiones im 6teu
Titel des vierten Buches ineinander, aber offenbar nur in dor
Richtung, einen Ueberblick jener Rechtsbegriffe zu geben, welche
in den vorigen Büchern abgehaudelt sind, und aufmerksam zu
machen, durch wessen Einfluß diese Rechte selbst ihren Ursprung
und ihre Ausbildung erhalten haben. Der 6te Titel ist also
nur eine Reeapitulation der Privatrechte, aber historisch ist er
sehr ungenügend; dem Kaiser ist dieser Titel unter allen sei-
nen Zusammenstellungen am wenigsten gelungen, sowie er auch
hier mehr eompilatorisch, wie gestaltend verfuhr. Man sieht,
wie tief schon damals das wissenschaftliche Studium gesunken
war.
3) Das Resultat, der Prozeß selbst, war daher in jener
Zeit wenig geregelt, sondern mehr eine Sache der Beamten.
Insbesondere war das Beweisverhältniß gänzlich dem Ermes-
sen der Beamten überlassen, und in rechtlicher Hinsicht suchte
man Alles zu erlangen in dem Systeme der Rechtsmittel, die
an den kaiserlichen Hof führten. So war auch die res judi-
cata schon damals etwas andres, wie in der früheren Zeit.
§. 3.
Erklärung des pr. J. de action. 4, 6.
Justinian hat im pr. 1. -i. 6. eine ganz andre Bedeu-
tung von der actio, als diejenige ist, welche man in früherer
Zeit hatte, und die man etwa dem Celsus zuschreiben will.
Wenn nämlich der Prätor die formula gegeben hatte, (dies
war ja die eigentliche actio), so hatte der Kläger ein Recht
aus das condemnari oportere: er war dadurch an das ju-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer