Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

Zur Lehre von d. Wirkungen des Prozesses auf das materielle Recht. 291
welche wir bis hieher nachgewiesen haben: enthielte es nicht
durchaus eine Prozeßvcrändcrung gegen das römische Recht,
und wäre die litiscontestatio nicht etwas Anderes, wie bei
den Römern (was wir erwiesen zu haben glauben 20): — so
müßte unsere Ansicht von der Umgestaltung des Prozesses durch
das canonische Recht hauptsächlich setzt ihre Bedeutung haben.
Die Lehre über den Beweis erzeugte ein neues Verfah-
ren: man wiederholt den Prozeß; es kommen neue positiones
und neue responsiones (woraus später die Beweis-Artikel
geworden sind) — die Zugeständnisse in den responsiones
waren das erste Beweismittel, es galt der römische Satz nicht,
confessus pro judicato habetur, und nur so wird das Ge-
stä ndn i ß auch für den Richter, welchem immerhin der Beweis
gemacht wird, und Keinem Anderen, eine Ueberzeugung,
weil er darin den Verzicht des Respondenten findet, und die-
ser Verzicht bei einem relativen nur für den Verzichtende»
wirksamen Verhältnisse genug sepn muß2'). Natürlich fehlen
bei dem Geständnisse die Einreden; bei jedem andern Beweis-
mittel kommen auch diese vor, und wiederum nur in jener
Rücksicht, in welcher sie schon im ersten Verfahren durch das
canonische Recht angenominen sind, als Vertheidigungsmittel
gegen Subject, Object und Argument des Beweises 22).
So ist denn auch ein eigenes Urtheil über das Beweis-
verfahren durch das canonische Recht gegeben, denn der Be-
weis ist entweder plena oder quasiprobatio vel semiplena.
und der Ausdruck quasiprobatio ist deßhalb gegeben, weil
auch diese manchmal genügt (Bescheinigung), ja es gibt sogar
ausnahmsweise Fälle, wo man mit einer violenta praesum-
tio zufrieden ist 2S). Diese Anführungen sind nur kurz deßhalb
gemacht, damit in unseren Ansichten das wirklich werde, was

20) Die schönste Arbeit im SaVigny'schcn Buche ist der letzte §.
der Litis-Contestation — aber Ht er eine historische Un-
terlage?
21) Meine Rechtsgeschichte I. S. 180.
22) Von dem interlocutorischen Urtheil auf Beweis, welches einer
späteren Zeit angehört, soll hier die Rede nicht sepn, auch nicht
von dem Versuche der Neueren, diesem Urtheile die Rechtskraft
wieder zu nehmen, welche es durch die PrariS erhalten hat;
meine Rechtsgeschichte l. S. 182.
23) Meine Rechtsgeschichte l. S. 209 ff.

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