Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 6 (1848))

260 , Ein paar Worte über die neuesten Pläne
neuen Geschichte derselben einsehen lernen, daß die Völker erst
mit der Zeit practisch erlernen werden, was ihnen theoretisch
nicht begreiflich zu machen ist. Aber auch in der Civil- und in der
Criminal-Gesetzgebung muß man da, wo revolutionäre Richtun-
gen nicht verkommen, andere Rücksichten nehmen, als diejenigen
waren, die nach einer schwere» Krankheit Frankreich nicht blos
provisorisch recipirt, als in der That jetzt schon größtentheils ab-
geworfen hat. Namentlich ist das Familienrecht jetzt ein ganz
anders als der Code cs uns gibt. Mit Recht hat der berühmte
Savigny eingesehen, daß in Preußen vor Allem das Eheschei-
dungssystem reformirt werden müsse; allein es ist dieses nach
protestantischer Denkart nicht zu reformiren, die Franzosen
dagegen haben gethan, was nach katholisch er Denkart mög-
lich und auszuführen war. Daraus folgt, daß man in Deutsch-
land, wo die Confessione,, nebeneinander bestehen, beiden Thei-
len die ihnen garantirte Freiheit lassen, und überhaupt im
Eherechte nichts uniformiren darf. Schon dient uns hier das
Großherzogthum Hessen zum abschreckenden Beispiele, wenn es
auch eine gewisse Parthei hochgelehrter Männer in Deutschland
nicht begreifen will;
2) ein anderer Theil hat sich den deutschen Zollverein zum
Muster genommen, und will nur das Wechsel- und Handels-
recht zuerst in eine gemeinsame Ordnung nach der Natur des
Zollvereins gebracht wissen. Damit ist denn nur sehr weniges
geschehen, zumal die Gewohnheiten diese Dinge vielleicht bes-
ser ausgeglichen hätten, als ein starres Gesetz.
3) ein dritter Theil will eine neue Welt nach denjenigen
Grundsätzen, die man nicht nur bei den Staatsconstitutionen
befolgt hat, sondern wie man sich ausdrückt, nach den Grund-
sätzen des Fortschritts, wobei man freilich nicht recht weis,
worin der Fortschritt besteht.
Was uns angeht, so wollen wir nie eine Nation in dem
Gemeinsamen und Nützlichen aufhalten, und wünschen nicht
nur die Abschaffung aller Mißbräuche, als auch eine wirkliche
Verstärkung guter Grundsätze: es ist zu wünschen,
a) daß eine bessere und gemeinsame Gerichts-Einrichtung
erfolge, auch das System des Prozesses auf eine wohl ver-
standene Oeffentlichkeit und Mündlichkeit gegründet werde, ja
wir haben

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer