Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

Sur deutsche» genieinen Gesetzgebung. 25!)
wenn man am Ende einer Geistesbestrebung zu seyn meint,
man erst wieder anfangen muß.

§. 4.
Ueber die Gesetzbücher des Civilrcchts.
Man müßte mit ihnen anfangen, weil hier die wenigsten
Mißbräuche herrschen. Nur zwei große Fehler müßte man
vermeiden:
1) nicht die naturrechtlichcn Ansichten der Zeit über die
geschichtliche Bewegung zu erheben oder vom subjective» Na-
turrechte nirgends auszugehen,
2) wohl eine ganz gleiche Einrichtung der Justizbehörden
und des Processes zu haben, keineswegs aber das Recht des
Einzelnen unisormircn zu wollen. Namentlich ruht daSFami-
lienrecht nicht auf der Gesetzgebung, sondern auf den Volks-
sitten, und die Gesetzgebung kann diese nicht ändern: was die
Gesetzgebung ändern kann, sind die politischen Vorschriften,
und so ist es möglich, die Gesetzgebung über die Erwerbung
oder den Verlust des Vermögens auszudehnen, nicht aber über
das Familienrecht.
Zwar hat man in Frankreich in den Zeiten der Revolu-
tion anders gedacht, aber eben, weil eine Revolution Gewalt
über die Menschen selbst übt; und gerade von den Franzosen ha-
ben die Deutschen so Manches gelernt; aber die Menschen müssen
frei seyn über ihre Person, über ihre inneren namentlich reli-
giösen Ueberzeugungen, und über die sogenannten Urrechte des
Christenthums; und soferne inan hierin fehlt, wird die Gesetz-
gebung niemals die Völker gewinnen.
Auch wir wünschen, daß dem deutschen Nationalleben eine
eigene Jurisprudenz gegeben werde, damit Deutschland densel-
ben Weg betreten könne, welchen Frankreich seit mehr als 40
Jahren betreten hat: allein dann inuß inan einen anderii Weg
einschlagen, als welchen unsere Staatsmänner bis jetzt im
Sinne haben. Da hat
1) ein Theil derselben es den Franzosen nachmachen wollen,
eine allgemeine Staats-, Civil- und Criminalgesetzgebung über
das Land auszugiesen, und damit alle Gesinnungen und die
Freiheit selbst in Beschlag zu nehmen. Wir lassen lins hier auf
Staatöconstitutionen nicht ein, haben aber auch bei der nagel-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer