Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

258

Ein paar Worte über die neueste» Pläne

II.
Im Strafrechte selbst hat die neueste Zeit, welche in
der That glaubt, Alles geleistet zu haben, in Wahrheit fast
Nichts geleistet, denn
a) im Rechte nimmt man nicht den Menschen, sondern
construirt einen Bürger, überläßt, wie sie sagen, die Mora-
lität des Menschen ihm selbst, und dirigirt den Bürger wie
eine Dampfmaschine oder wie ein Pferd. Man ist hier natür-
lich soweit gegangen, daß nur eine laesio juris strafbar sep,
und daß der größte Scandal, wenn ein Einzelner nicht auf
eine noch dazu gefährliche Weise leide, blos Scandal bleibe
und als solcher authvrisirt werde
b) in der Strafe will man nicht in christlich-religiösen
und resp sittlichen Standpunkt wählen, in der Art, daß
selbst ein Nichtchrist sich ihm unterwerfen muß, sondern man
will das Gewicht der Strafe entweder
a) in der politischen Ehre suchen, worüber in der
neuesten Zeit ein interessantes Buch geschrieben ist:
„Ueber Ehrenstrafen und Ehrenfolgen der Verbrechen
und Strafen." Rostock 1845.
oder:
b) in der politischen Besserung, wozu man die
Muster auö Amerika geholt hat.
Daß beide Richtungen nur relativ sind, und abermals den
ganzen Menschen nicht erfassen, oder in einzelnen Fällen bis
in das Absurde hinauslaufen, kann Jeder einsehen, und soll
hier nicht entwickelt werden. Es gibt keine allgemeine po-
litische Ehre sondern nur eine relative Standes-Ehre und es
gibt keine allgemeine politische Besserung, sondern es gibt
nur eine christlich-moralische Neberzcugung als allgemeinen Ru-
hepunkt im Leben, und eine wahrhafte Besserung dessen, der
reuend sich selbst bessern will, und daher sich selbst bessert.
So erklärt sich denn auch, daß unsre Strafgesetzbücher auf
den ersten Blick sich alle ähnlich zu sehen scheinen, während in
der That Jedes von dem Andern im Großen und Kleinen ab-
weicht. Es ist unmöglich, allgemeine Grundsätze über die
Principien des Strafrechts in unseren Tagen aufzustellen, und
es ist eine bekannte Erscheinung in der Weltgeschichte, daß,

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