Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 6 (1848))

zur veutlchen gemeinen Gesetzgebung. 25?
anderer Art sind ungefährlich, ja soweit sie den Misbräuchen
entgegentreten, nöthig.
Im Criminalprozesse kann auch die Schriftlichkeit nicht ent-
behrt werden, obgleich sie einen untergeordneten Platz hier ein-
nimmt, wenn man die öffentliche Verhandlung an die Spitze
stellt. Die früheren Erklärungen, d. h. diejenigen, welche vor
der öffentlichen Verhandlung Vorkommen, haben daher nur die
Stellung außergerichtlicher Erklärungen.
Da aber es viel schwerer ist, im Criminalproceffe Beweis-
regeln aufzustellen, wie im Civilprozesse, da es dort einer ab-
soluten hier nur einer relative» Wahrheit gilt, so liegt in
dieser Beziehung noch heutzutage der Stein des Weisen, so, daß
die Verständigen kaum den Weg noch kennen, den Stein zu fin-
den; die Männer des Volkes suchen nicht sowohl die Wahr-
heit des Urtheils, als dasjenige für das Volk zu erlangen,
was man den Fürsten als Cabinctsjustiz lange entzogen hat,
die Ausübung der hohen Gerechtigkeit: die Männer der Für-
sten aber wollen sich des Rechts nicht begeben, da die Fürsten
ohnedies schon der Ausübung sich begeben haben. Also juri-
stisch ist die Frage in unsern Zeitläuften gar nicht ausgenom-
men und besprochen, mid daher jede Verhandlung über die Jury
solange ungeeignet, als man die Geschwornen nicht ansteht,
1) als Mittel für die Oeffentlichkeit der Verhandlung
(Urkundspersonen),
2) als Probe für den Beweis, welchen der Geschworne
ohne Regeln, der Richter mit gewissen Regeln macht, so daß
die Zusammenwirkung beider das Urtheil begründet, zumal
man vollkommen sichernde Regeln dem Richter nicht geben
kann.
Daß das Volk Richter werde, davon kann also überhaupt
die Rede nicht seyn. Auch sollen die Geschwornen selbst con-
trollirt werden durch die Oeffentlichkeit, weshalb es auch der
Administration zusteht, die Geschwornenlisten zu bilden, die ja
durch Erclusion beider Theile purificirt werden können.
Bei dem Civil - und Criminalprozesse wird aber sehr viel
davon abhängen, ob sie conform sind den Hauptgrundsätzen
über Civil- und Criminalrecht. Man hat besonders im Gros-
herzogthume Bade» bemerkt, daß das neue Civilprozeßgesetzbuch
nicht zu dem aus dem Loci« civil genommenen Landrechte paßt.
Roßhirt, Zeitschrift. Bd. VI -est 2. 17

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