Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

zur deutschen gemeinen Gesetzgebung. 253
rein aus den Ansichten heraus, welche im Gesetzbuchs nieder-
gelegt sind, und diese Richtung übertrifft für sich die Bestre-
bung derjenigen, die an das römische Recht gebunden sind. Die
Letzteren nämlich haben zwei Standpunkte zu unterscheiden:
a) die philologische Erklärung des coquis juris Justini-
anei — in welcher Hinsicht die Philologen der französischen
Schule unsere Führer sind,
b) die Anwendung des römischen Rechts auf das germa-
nische Volk, wobei die Geschichte des germanischen Rechts zu
Grunde zu legen ist. So hatten z. B. die römischen Juristen
die exceptio non adimpleti contractus nicht, aber wir ha-
ben sie, und müssen wissen, wie sie entstanden ist, und wie
sie zur römischen Hauptquelle paßt.
Unsere neuesten Lehrer des römischen Rechts haben diesen
Standpunkt nie gehörig unterschieden, und sie hätten es leicht
gekonnt, wenn sie die römische Rechtsgeschichte aus dem ersten
Standpunkte und die Pandecten aus dem zweiten behandelt
hätten. Der Inhalt wäre natürlich bei der rechtshistorischen
Darstellung ein anderer gewesen, wie bei der Darstellung des
usus modernus, was ein ganz guter Name ist, weil er eine
wahre Bedeutung für unser Leben hat. In der letzteren Rich-
tung hat Roßhirt seine Pandecten geschrieben, aber Puchta
hat diese Bedeutung derselben nicht erkannt, sondern oberfläch-
lich behauptet, als habe Roß Hirt in die alte Ansicht Hos-
ackers zurückkehren wollen.
Man sieht nun recht genau wie sich die Behandler des
franz. Rechts unterscheiden; hier ist die Rechtsgeschichte die Pro-
pädeutik und dann das System das lebende Recht: beide haben
zum Zweck und letzten Inhalt denselben Gegenstand, und da-
durch fühlt sich der Stand der Juristen und das Volk erleichtert.
Im Uebrigen ist das französische Recht auf deutscher Rechts-
grundlage seinem Inhalte nach gegeben, und bei der sogenannten
Transactionsmethode der einzelnen Gesetzgeber verstand Tron-
chet den richtigen Moment, das Recht der Gewohnheiten hervor-
zuheben, und war auch durch die Romanisten selbst, z. B. durch
Pothier unterstützt. Der Form nach erfreuten sich die Juri-
sten des Zusaminenhangs mit dem römischen Rechte, auch in
den losgerissenen Pandecten-Citaten, die der Schmuck mittel-

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