Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

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Ein paar Worte über die neuesten Pläne

Von einem ganz andern Standpunkte ging man in dem
benachbarten Großherzogthume Hessen aus. Da man hier die
rheinhessischen Lande dem Darmstädter Genius und der moder-
nen Zeitrichtung der Rationalität, wie man schon aus den
Verfertigern und Vertheidigern der neuen Gesetzgebung sieht,
unterordnen wollte, mußte man das Beil an die Wurzel le-
gen, und auf eine neue Gesetzgebung denken. Man fing mit
dem Familienrechte an, aber der practische Sinn des Volkes
hat die Wahrheit unserer oben ausgesprochenen Ansicht besser
eingesehen, wie die Gelehrten. Es hat sich namentlich bei
demjenigen Theile des Volkes, welches immer gesund bleibt
und auch nicht einmal durch den Sirenengesang der Zeitwissen-
schast verführt wird, eine Stimme gebildet, der man, man
mag wollen oder nicht, sein Ohr nicht verschließen darf. Das
Großherzogthum Hessen hat uns ein kleines Beispiel gege-
ben, daß die Civilgesetzgebung auf einem andern Wege gepflo-
gen werden muß, als diejenige ist, welche eine gewisse Par-
thei in Deutschland im Auge hat. Davon weiter unten.
Das kleine Landgrafthum Hessen-Homburg bietet die deutsche
Zerrissenheit am besten dar: in einem Amte gilt das römisch ge-
meine Recht, in einem andern Amte der Code civil. Und
mit gutem Grunde läßt man es in diesein kleinen Territorium
bei'm Alten.
In den sieben Kreisen Baierns des rechten Rheinlandes
hat man in der neuesten Zeit durch die Thätigkeit Seuffert's
und einiger andern Herrn ein Werk über die Rechtsanwendung
nach einem eigenen Geiste gepflegt: es ist hier ein sichtbares
Bestreben nach Abstraction und Theorie zu finden. Es geht
das Werk auch über' das preusische Landrecht und gehört zu
denjenigen Schriften, in welchen die Hinrichtung zum römischen
Rechte nach der Ansicht unseres oben bezeichneten ersten Sh-
stemes vorwaltet.
Auf dieselbe Weise strebt man auch im Königreiche Wür-
temberg und Wächter hat das Verdienst, in einer eigenen
Schrift, das würtembergische Particularrecht in eine neuge-
formte Theorie umzusetzen.
Nun kommen wir in diejenigen Länder, welche sich an
den Code Napoleon halten. Diese Länder haben etwas Gros-
artiges voraus: sie interpretiren das Recht, wie es liegt, d. h.

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