Full text: Volume (Bd. 6 (1848))

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Etwas zur b. pio.

Allein darin hat Löh r Unrecht, daß er glaubt, das Prin-
cip, welches die Gegner angeben, habe nicht bestanden, ja
selbst darin, wenn er glaubt, es bestehe jetzt nicht mehr, denn
gerade das Gegentheil dessen wollen wir ihm jetzt beweisen.
Wenn wir auch nicht wissen, wie die bonorum possessio
entstanden sey, so ist doch gewiß, daß der Schlußpunkt in der-
selben das edictum successorium nur zu dem Zwecke einge-
führt ward, no bona hereditaria vacua sine domino diu-
tius jacerent, et creditoribus longior mora fieret. J) Es
war dieses daher ein subsidiarisches Princip, und also auch
die b. pio. Die successio ging ja nicht einmal soweit,
daß, wenn der proprior cognatus die b. pio angenommen
hätte, darauf aber renuncirte, d. h. das Abstinenzrecht ge-
brauchte, ein anderer zur b. pio Berechtigter hätte durchsetzen
können, — nein die Güter fielen als vacantia an den Fiseus.
Freilich mochte dieses eine spätere Entscheidung des berühmten
Papinian seyn, es zeigt sich aber doch, daß die b. pio
keineswegs den Standpunkt des Erbrechts hatte: denn über
den wirklichen Erben hatte der Fiseus kein Recht oder Vorrecht.
Ja in der That das alte Princip besteht jetzt noch, wohl
nicht mehr in dem Systeme der Erbordnung, aber doch in an-
dern Beziehungen.
Sehr recht hat Löhr, wenn er bemerkt, daß Fabricius
blos von Gajus verführt worden sey, denn damals war das
System des Prätors noch nicht so durch die Schule zugerich-
tet, wie wir es unter Justini an finden; auch nicht ein Fall
läßt sich jetzt mehr denken, wo im Jntestat-Erbrechte der fie-
res privilegirt war; ja die ganze noch jetzt geltende prätorii'che
Ordnung hat keinen Fall, wo der fieres dem b. por vor-
ginge. Es läßt sich dieses beweisen, indem wir das im justi-
nianischen Recht anwendbare prätorische System darstellen.
1) Im Jntestaterbrechte ist Alles durch die nov. 118.
aufgehoben, was die b. pio betrifft, bis auf den ordo unde
vir et uxor.
2) Bei der b. pio contra tab. hängt es davon ab, ob die
nov. 115. derogatorisch oder correctorisch ist. Im ersten Falle

1) 1. 1. I). de success. ed.
2) I. 2. I) cod.

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